Adressen als Firmennamen – Immer wieder zum Wundern

Gerade bin ich wieder darüber gestolpert. Adressen als Geschäftsnamen:

Adressen als Geschäftsnamen - Beispiele zur Illustration
Adressen als mögliche Firmennamen, mit Straßenbasis

Was soll das?

Warum macht man so etwas für ein Architekturbüro, einen Designladen oder sogar ein Café? Natürlich sage ich immer, jetzt warten Sie mal mit weltweit, wenn ein Neugeschäfteröffner anfragt und schon im Geiste den Erdball erobert hat.

Aber muss man sich denn im anderen Extrem wirklich auf eine Hausnummer in einer Straße festlegen? Sind denn die Hausnummer und der von der Stadt vergebene Straßenname so super, dass man das ausloben muss? Und natürlich, ganz banal: Was ist beim Umzug? Da gibt es vielleicht eingeschränkte Möglichkeiten, in anderen Städten die identische Adresse zu bekommen.

Wohl dem, der einen Bahnhofstraßennamen hat. Da steht eine neue Location natürlich schon Gewehr bei Fuß, egal, wohin man geht. Auch wieder charmant.

Wer mehr zu Firmennamen lesen möchte – hier gibt es eine kleine Einführung.

Irreführende Namen: Neue Dimensionen des Verbraucherschutzes

In der Süddeutschen, und sicher auch in anderen Medien war vor ein paar Tagen ein Bericht über die Deutsche Verbraucherweste. Sie fragen vielleicht: Hä? Deutsche Verbraucherweste? Was soll das sein? Geht es da um die Schutzwesten, die jeder in Deutschland im Kofferraum haben muss?

Ehrlich gesagt ist der Name ziemlich originell, die Namensstrategie ist erstaunlich. Er hat wohl irgendetwas mit einer Schutzweste zu tun, aber wirklich nur am Rande. Unter diesem Namen wird Menschen angeboten, dass sie aus dem Verteiler der Telefonterroristen gelöscht und keine unerwünschten Werbeanrufe mehr erhalten würden. Dafür zahlen die Menschen dann eine Servicegebühr. Dumm nur, dass es keinen Effekt gibt.

So weit, so schlecht. Was uns besonders interessiert – das ist natürlich diese Weste. Ein eigenartiger Name, fremd, ungewohnt, schlichtweg unpassend. Aber er scheint bei einigen Leuten positiv wahrgenommen zu werden, die (in ihrer Verzweiflung) auf das Angebot eingehen und sich teilweise eben hinterher beschweren. So etwas hinterlässt den Namensexperten allerdings etwas ratlos. Ich hätte diesen Namen eher für einen Scherz gehalten.

Und da es nicht grotesk genug sein kann, hier noch ein paar Naming-Vorschläge für die Nachahmer oder die Umfirmierer. Bitte bedienen Sie sich:

Deutsche Verbraucherweste Alternativnamen

Und außerhalb davon, da zu sinnvoll:

Verbraucherweste Alternativname kreativer Vorschlag

Wohl bekomm’s!

 

Neuer Filmtitel „Portraits Deutscher Alkoholiker“

Endlich auch in München zu sehen: Der herausragende Film zu Alkoholismus als Alltagsphänomen in der Mitte der Gesellschaft läuft diese Woche, und er war noch faszinierender und eindringlicher als in den Kritiken beschrieben. Aber uns geht es natürlich um den Filmtitel. Diesen zu finden war eine reife Leistung.

Der Filmtitel „Portraits Deutscher Alkoholiker“ packte mich schon beim ersten Lesen. Warum? Was macht diesen Titel interessant? Was vermittelt der Titel überhaupt? Ein paar Reflexionen oder auch nur Assoziationen dazu, natürlich ganz subjektiv, wie es sich für das Blog gehört: Es schwingt in diesem Titel eine Qualität, eine Schicht mit. Werden hier abgerissene Obdachlose am Rande des Todes portraitiert, nein, nicht. Alles geht gediegener zu. Solide Mitte, Bildungsbürgertum, solide Menschen. Erinnerungen an eine Anthologie von Klassikern kommen auf.

Gleichzeitig klingt auch ein gewaltiger Verallgemeinerungsanspruch an im Sinne von „wenn man das gesehen hat, dann hat man ein wirklich gutes Bild bekommen“. So ähnlich wie eine Anthologie. Natürlich ein Anspruch oder auch nur Anklang, der nie im Leben einlösbar sein könnte. Aber egal.

Und dann hat dieser Filmtitel natürlich eine Brachialität, Ehrlichkeit und Klarheit, die ihresgleichen sucht. Es geht hier um Alkoholiker. Nicht um Lebensbewältiger oder Lebensnichtbewältiger, nicht um Kranke oder Gesunde, nicht um Süchtige, es geht einfach und ganz klar nur um eine riesige Gruppe von Menschen in Deutschland, die wegen und trotz ihrer Sucht funktionieren. Es geht völlig unzweifelhaft nur um Alkoholiker.

Wer Gelegenheit hat, sollte sich den Film anschauen. Erzählungen aus dem Off, vom Funktionieren und Bemühen, und vom Scheitern, und dazu die Bilder des ordentlichen Lebens aus Deutschland, wo alles funktioniert. Danke!

Etymologie von Markennamen – Glaube und Realität

Auf der Munichtime 2011.
1. Stock, ein Stand mit Uhren, und dann der Name:
Genesis.
Erstaunen.

Fragen stellen sich:
Sind hier Schöpfungsfundamentalisten am Werk?
Ist es eine Hommage an eine Musikgruppe aus vergangenen, goldenen Tagen der Popmusik?
Sind Epigonen von Volkswagen am Werk?
Geht es um Uhren, die vom, nun ja, Ursprung kommen?
Erschaffen die Uhren den Träger neu, zum Beispiel mental?

So geht es einem (zumindest mir) ja oft, wenn man auf einen Markennamen sieht. Man versucht gleich, eine rationale Erklärung dafür zu finden. Oft klappt das auch, wie bei Technomarine Uhren oder Chronoswiss, die machen einem das einfach. Bei Genesis ist es anders, und, wie die freundliche Dame dann gleich erklärt, ist das ihr Name. Ihr Nachname. Sie heißt Christine Genesis. So einfach ist das. Keine Namensagentur, keine Naming-Strategie, kein destillierter USP. Einfach ein Name.

Hier Bilder von Uhren aus ihrer Kollektion. Allesamt gut aussehend, aber auch alle mit strammen Preisen ausgestattet.

Uhrenmodell von Genesis mit Wochentaganzeige und Gangreserveanzeige:

Uhrenmodell von Genesis mit Kalender und Gangreserve

 

Armbanduhr mit Gangreserve und Panoramadatum:

Genesis Armbanduhr mit Gangreserve und Panoramadatum

 

Und eines von der freundlichen Dame selbst in ihrer Werkstatt:

Portrait der Uhrmacherin Christine Genesis
Vielen Dank für die Bilder an Christine Genesis!

Einfach nur schön: LUCIFAFEST 2011

Nur ganz fix, weil es so lustig ist: Im „Frohe Weihnachten“ Prospekt von Karstadt wird auf der ersten Seite eine Weihnachtsglocke von Hutschenreuther angeboten, deren Name eine wundervolle, geheime Dichotomie widerspiegelt:

Die Porzellan-Weihnachtsglocke 2011 LUCIFAFEST.

Und weil es so schön ist, hier gleich noch mal: LUCIFAFEST.

Ich genieße es: LUCIFAFEST.

Ich wünsche allen Namensexperten und -interessierten schon mal eine wundervolle Vorweihnachtszeit …

 

Das böse Wort – Grund für Lebensmittelverschwendung enttarnt

Wenn man die öffentliche Diskussion um verschwendete Lebensmittel, die „Mülltaucher“, die Unmengen entsorgter (also weggeschmissener und verrotteter) Lebensmittel verfolgt, könnte man meinen, der Begriff des Mindesthaltbarkeitsdatums wäre das Problem. Weil der so negativ ist. Und weil alle glauben, danach wäre das Lebensmittel nicht mehr genießbar. In Wirklichkeit aber würde es mit Ablauf des MHD wohl erst so richtig lecker. Wer schon mal Chips nach dem MHD probiert hat, der weiß, wovon die Rede ist.

MHD Mindesthaltbarkeitsdatum - Name / Bezeichnung
MHD Mindesthaltbarkeitsdatum. Name und Wirkung.

Die heilbringende Lösung kommt aus England, wo ja auch das gute Essen herkommt, oder zumindest der Messias der Schulküchen: „Zu genießen bis zum …“, „Schmeckt gaaaanz gut bis zum …“ oder „Am besten vor dem xxxx essen“. Wunderbar, was für tolle Lösungen. Was soll daran denn besser sein? Sie etablieren genauso die Zweiteilung des Zeitraums in „guten Zeitraum“ und „bösen Zeitraum“. Das ändert an der Sache überhaupt nix. Es erinnert an die Umbenennung der Bundesschuldenverwaltung in Finanzagentur des Bundes. Hat die Schulden nicht signifikant reduziert.

MHD Mindesthaltbarkeitsdatum als Zeichen für Qualität
MHD Mindesthaltbarkeitsdatum als Zeichen für Qualität

Man könnte natürlich einen Schritt weiter gehen: Garantiezeit wäre eine Idee, aber mit Garantien wird man wohl nicht auf viel Gegenliebe bei den Lebensmittelherstellern stoßen. Oder man gibt einfach das Produktionsdatum und einen empfohlenen Zeitraum für den Verzehr an. Ändert am Grundprinzip wieder nichts, und wenn die Leute sehen, wie alt die Lebensmittel schon sind, wird das ihre Kauflust sicher nicht stimulieren, sondern eher abschrecken. Es ist doch viel schöner zu sehen, dass eine Wurst noch zwei Monate haltbar ist, als dass sie schon vor sechs Monaten produziert wurde und noch zwei Monate haltbar ist.

Und wenn man sich überlegt, wofür das MHD eingeführt wurde, dann war ein Grund wahrscheinlich exakt der, den es jetzt erfüllt: für einen gewissen Frischegrad und eine gewisse Unbedenklichkeit des Verzehrs von abgepackten Lebensmitteln sorgen. Die Ursachen für die Unmengen weggeworfener Lebensmittel liegen sicher weniger im MHD begründet als vielmehr in Convenience, Immerverfügbarkeit, überbordender Auswahl, Sortimentsbreite, niedrigen Lebensmittelpreisen und was weiß ich noch alles. Und das arme Wort soll jetzt schuld sein.

Vielleicht sollte man den Leuten einfach besser erklären, was das MHD bedeutet. Denn ein Missverstehen des Sachverhalts wird durch Umbenennen nicht ausgemerzt, es ist nur eine Umetikettierung. Eigentlich sollten die Hersteller und der Handel daran auch ein Interesse haben. Vielleicht ziehen ja mal alle an einem Strang? Dass Nachhaltigkeit, Brachialisolierung von Gebäuden und die GEZ gut sind, wurde ja schließlich auch allen beigebracht …

 

PS: Eine andere, recht deutsche Lösung wäre natürlich, einfach „best before“ zu verwenden. Ein super englischer Ausdruck, alle stellen sich was Schönes vor, und ein Teil versteht gar nix, perfekt.

PPS: Unter welchem Label wurden eigentlich in der EU traditionell die Lebensmittel vernichtet, wenn aufgrund der Planwirtschaft mal wieder zu viele produziert wurden?

 

Kosmetikmarke Hauschka vs. Musiker Hauschka – kooperieren statt draufhauen

Vor zwei Wochen, beim Frameworks-Festival in München, trat auch Hauschka auf. Dem Feuilletonleser ist Volker Bertelmann aka Hauschka sicher bekannt als weit vorn Befindlicher in der gegenwärtigen Popmusik. Denn das ist letztlich der Rahmen, in dem wir uns bewegen. Wenn auch wohl eher am Rand.

Nun fragt jeder, dem man von Hauschka erzählt, ob der was mit der fabulösen Kosmetikmarke zu tun habe, die ja mittlerweile bemerkenswerte Premiumpreise nehmen kann und beeindruckende Verkaufserfolge verzeichnet. Was lag da näher, als Volker Bertelmann selbst zu fragen.

Nicht die Kosmetikmarke, sondern der Musiker Hauschka sitzend

Die Antwort des sehr freundlichen Künstlers nach dem Hintergrund dieser Namensfindung war so überraschend wie klar, und letztlich auch Mut machend. Ist sie doch ein Beleg für die Existenz von gesundem Menschenverstand.

Volker Bertelmann wollte einen osteuropäisch klingenden Namen für sein Musikprojekt. Die Wahl fiel auf den in Deutschland ziemlich seltenen Nachnamen Hauschka. Man ja schon oft schlimme Geschichten gehört, was passiert, wenn ein Unternehmen seine Marken- oder sonstigen Rechte gefährdet sieht und die juristischen Kettenhunde loslässt. Das gibt manchmal hässliche Gemetzel, die mit den Werten der Marke nicht immer völlig konform sind. Aber in unserem Fall war es anders.

Eines Tages erhielt Volker Bertelmann einen Anruf aus der Unternehmenszentrale von Dr.Hauschka. Er war leicht angespannt, was da wohl anläge. Die Anspannung verwandelte sich ruckzuck in Entspannung, denn man fragte an, ob man einen Ausschnitt eines Musikstücks von hauschka für die Telefonwarteschleife verwenden könne. Keine Panik, keine Drohungen, einfach gelassene, freundliche Zusammenarbeit. Dr.Hauschka bekommt wunderschöne Telefonmusik, und Volker Bertelmann kann seine Haut mit den tollen Produkten der Kosmetikmarke Dr. Hauschka pflegen. Ist das Win-Win?

Vielen Dank an Volker Bertelmann für die Bilder und die Hintergrundinfos zu diesem Blogbeitrag!

Und hier das Cover der aktuellen CD sowie der Link zu den Videos!

Cover der CD Club des Amateurs von Hauschka
Cover der CD Club des Amateurs von Hauschka

 

Kindernamen, daaaaas Thema neben Markennamen: Hilfe naht …

Etwas off-topic, aber dennoch sei es hier erwähnt: Eine neue Hilfe beim Benennen des Nachwuchses ist online gegangen.
Der Clou dabei: Man gibt seinen Nachnamen ein und bekommt Vorschläge für Kombinationen von Vorname und Nachname inkl. Verfügbarkeit der Domain. Mal sehen, ob das noch relevant ist, wenn diese Neugeborenen mal eine Website brauchen / haben wollen. Oder ob dann alles schon wieder ganz anders aussieht. Die Welt dreht sich ja schließlich weiter.
Dennoch: die Schmalheit der Vorschläge mag für so manchen auf der Suche nach dem perfekten Kindernamen tatsächlich eine Hilfe sein.

Screenshot Namensgenerator für Kindernamen

 

Naming bei Zugnamen in Österreich – Werbeworte statt Orte

Immer wieder beim Besuch im Nachbarland Österreich fällt einem Erstaunliches auf. Zum Beispiel die Produktnamen von Telering sind wirklich denkwürdig und wären in der deutschen Mobilfunkwüste eine wahre Oase. Es gibt aber auch erstaunliche, im Sinne von „eigenartige“, Beispiele für kommerzielles Naming. Konkret: Wer erinnert sich noch an die Umbenennung der deutschen Züge? Plötzlich hieß Heinrich Mercator nicht mehr Heinrich Mercator, sondern Günzburg. So ähnlich wie bei der Lufthansa, die war wohl das Vorbild. In Österreich haben die Züge auch Namen. Richtig denkwürdige Namen, die wohl in einem Verkaufs- oder Auktionsverfahren ermittelt werden. Beispiele gefällig? Here we go:

ÖBB IC 542 Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang
ÖBB IC 515 AFS Austauschprogramme
PBB IC 732 Kelag Energie Express
ÖBB IC 691 Bildungsmessen.at
ÖBB EC 536 Jacques Lemans
ÖBB EC 790 Hermann Gmeiner
ÖBB EC 531 Stadttheater Klagenfurt
ÖBB IC 693 betriebliche-altersvorsorge.at

Die Bandbreite ist also groß: von SOS Kinderdorfgründern über Uhrenmarken bis zu Skigebieten und Websites ist alles möglich. Andere, wie der ÖBB IC 534 haben keinen Namen, da steht dann halt nix.

Eine lustige Sache. Da könnte die Deutsche Bahn sich noch eine Scheibe abschneiden. Ich weiß allerdings nicht, in welchem Turnus die Namen vergeben werden bzw. gültig sind. Wahrscheinlich ist es einfach so wie bei den deutschen Fußballstadien.

 

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