Warum heißt ein guter Wein „Sau Geil“?

In Geisels Vinothek war ich letzte Woche essen. Bei der Weinkarte stutzte ich. Da fand sich ein Weißwein „Sau Geil“ – eine interessante Cuvée von renommiertem Weingut, aber mit einem Namen aus der Riege der Schlüpferstürmer, Feiglinge, Ficken etc. versehen. Ja, so können alkoholhaltige Getränke in Deutschland heißen. Gerade bei alkoholischen Getränken bewegt man sich gerne in den „witzigen“ Randgebieten. Wie passt dieser Wein in die Abschleppgetränkeriege?

Zum Glück hatte ich von diesem Wein schon mal gelesen. So positiv beeinflusst, bestellte ich ein Glas „Sau  Geil“. Ich hätte aber lieber Stefansberg oder SG (vielfältig auflösbar ;-)) oder was auch immer gesagt. So bestellte ich nicht mit Freude, sondern mit leichtem Widerwillen ob der Würdelosigkeit den „Sau Geil“ Wein. Der übrigens sehr gut schmeckt. So sieht er aus:

Flasche Weißwein SauGeil

Warum tun Sie das? Sie, als Geisel (renommierter Gastronom hoher Qualität) und Sauer (analoger Winzer) – warum stellen Sie sich in diese Reihe? Warum geben Sie Ihrem Wein einen Namen, den man dem Kellner kaum sagen, einem Freund kaum empfehlen, bei einem feinen Essen ungern in den Mund nehmen mag? Ich verstehe Sie nicht, vielleicht können Sie mir helfen oder sich ändern. Und natürlich den Weinnamen.

Schönen Gruß

Werner Brandl

 

PS: Wenn Sie den Selbstversuch machen möchten, stellen Sie sich ein gediegenes Restaurant vor, Sie bestellen Ceviche von der Bachforelle mit kandierten Limonentropfen und der Kellner empfiehlt dazu einen Sau Geil.

 

6 Antworten auf „Warum heißt ein guter Wein „Sau Geil“?“

  1. @ Hendrik: stimmt – „Geil“ ist sehr 90er…hat aber gerade wieder ein Revival!

    Es ist – wie immer – die Welt ist bunt!
    „Kröver Nacktarsch“ sollte auch polarisieren…es gibt die „Manufakturen der geilen Weine“ auf ja-ich-will.de
    Alors: chacun à son goût!

  2. Ich finde auch, dass man sich von den „alten“ Mustern trennen muss. Es geht nicht mehr um das Separieren in Kenner und einfach nur Geniesser. Viele Menschen trinken und lieben Wein, haben jedoch einfach das Wissen nicht den Geschmack in Worte zu fassen. Dem steht meiner Meinung nach gar nicht im Wege einen Wein als „geil“ zu bezeichnen. Und es gibt ja viele junge Winzer, die mit dieser Polarität spielen, weil sie eben dieses Klientel ansprechen und abholen wollen. Mal ganz abgesehen davon, dass der Begriff „geil“ wirklich eher 90er ist;) Aber das ist ein anderes Thema. Interessant in dem Zusammenhang aber auch der „Pornfelder“ Cuvée aus Portugieser und Dornfelder von Lukas Krauß… Viele Grüße Hendryk

    1. Danke für die Anmerkung! Ich bin ja nicht sicher, ob das Anpreisen als besonders toll (früher so was wie ein himmlisches Tröpfchen) wirklich bahnbrechend oder attraktiv ist, auch wenn es als „geil“ formuliert ist. Und ob „geil“ bei der Beschreibung von Weinen für neue Zielgruppen hilft? Irgendwie habe ich das Gefühl, man meint man wäre vorne, ist aber doch ganz woanders. Ich hoffe, dass man den Konsumenten nicht auch in andere Bereichen helfend unter die Arme greift mit geilem Brot, geilem Kaviar, geilem Käse etc. Am Ende läuft es einfach auf unterschiedlichen Geschmack hinaus, und da gibt es unterschiedlichen, und er ändert sich. Wir werden sehen.

  3. Lieber Herr Brandl,

    ich glaube, wir haben es hier mit einem Generationswechsel bei den Winzern und Sommeliers zu tun. Junge Köche kommentieren ihren ersten Michelinstern mit „das ist saugeil“, und Winzer finden ihren Wein eben saugeil. Mit ein bisschen Fantasie wird das ja auf dem Etikett auch aufgelöst – (Sauer und Geisel). Braucht’s aber meiner Meinung nach gar nicht. Und: wissen Sie, wo ich meine Weine bestelle? Auf geileweine.de. Kennen Sie das Weinmagazin „Schluck“ schon? …“das anstößige Weinmagazin“. Was sagen Sie jetzt? 😉 Herzlichen Gruß, Nicole Klauß

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