Schlicht und ergreifend: Nomos Minimatik

Am liebsten stelle ich Projekte aus eigener Hand vor, am zweitliebsten Fundstücke, die mir gefallen. Heute letzteres – die Minimatik von NOMOS.

Nomos Minimatik Automatik Armbanduhr
Minimatik © NOMOS Glashütte

NOMOS Minimatik Neomatik Armbanduhr

 

Schön und gelungen finde ich diesen deutsch geschriebenen Namen der Minimatik, ein Modell neben Tangente, Ahoi und anderen. Es ist ausschließlich mit dem neuen Automatikwerk mit der Bezeichnung Neomatik erhältlich.

Damit wird es dann aber ein klein wenig weniger positiv, denn die Dopplung, wie man sie auf dem Boden der Uhr auch sehen kann – Minimatik mit Neomatik Werk  (das zusätzlich noch auf das Kürzel DUW 3001 hört) fordert durch die Ähnlichkeit der Namen Verwechslungen heraus. Ich muss gestehen, ich habe auch eine Weile gebraucht, um die Differenzierungen innerhalb des Portfolios und der Modelle tatsächlich zu verstehen. Denn es ist ja nicht so, dass es nur die Minimatik mit dem Automatikwerk Neomatik gäbe. Und andere Automatikmodelle, wie die Tangomat sind sogar flacher. Wie war das gleich? Ich wollte doch ein positives Beispiel vorstellen…

Und dennoch, trotz arg viel Matik – Minimatik gefällt mir. Vielleicht auch, weil es mich an die Minivox von Junghans erinnert, und positive Assoziationen sind halt hilfreich.

 

PS: Wer sich für Uhren interessiert – ich habe auch mal über die Uhren von Uhr geschrieben.

 

Ein Urlaubsmitbringsel: Schuhe Marke „FRAU“

Mal was Amüsantes für zwischendurch: Schuhe der Marke „FRAU“ – gefunden in Italien.

Ein Urlaubsmitbringsel: Schuhe Marke „FRAU“

 

Hinter dem für deutsche Ohren vertrauten Wort, aber in diesem Kontext  ungewöhnlich klingenden Markennamen, steht ein gerade in Norditalien gängiger Nachname – eben Frau. So kommt auch die Schuhmarke „Frau“ aus der Gegend von Verona. Den Luxusaffinen unter uns ist sicher die ebenfalls italienische Möbelmarke „Poltrona Frau“ ein Begriff.

In Deutschland wirken solche Namen erst einmal etwas eigenartig. An vieles muss man sich erst gewöhnen aber das war bei „Apple“ vielleicht ja auch mal so. Wobei man doch einschränken muss, dass es sicher Markennamen gibt, die in Deutschland mehr Potential – auch bei Männern 😉 – für Lederwaren hätten.

Vielen Dank für die Trouvaille an Prof. Schulze von der FH Deggendorf!

 

Regional in vielen Gegenden – geht das?

Eines der beliebteren Worte unserer Zeit ist sicher „regional“. Man kann es prima im normalen Sprachgebrauch verwenden ohne sich zu disqualifizieren wie z.B. mit einem geschäftigen „nachhaltig“. In einer Kochbuchkritik von Jürgen Dollase ist mir das Thema der Regionalität vor kurzem begegnet und der Begriff verdient ein Drüberüberlegen.

In seiner Kritik des Buchs „frisch, bunt & regional“ von Konrad Geiger kritisiert Dollase (unter einigem anderem, er ist sehr streng), wie das gehe, dass eine Kochrezeptsammlung regional sei, wenn viele Gerichte aus den Küchen anderer Länder stammen?

Kochbuch Titelseite: Konrad Geiger, frisch, bunt & regional

In der Tat kann und sollte man sich fragen: was ist an Kokos-Currysuppe, an Erdnüssen, an bretonischen Artischocken, am provencalischen Linseneintopf regional? Nun ja, regional ist etwas wohl dort, wo es aus der Umgebung, aus einem bestimmten Umkreis stammt. Die bretonischen Artischocken sind also zumindest in der Bretagne eine regionale Spezialität. Zur Ehrenrettung von Konrad Geiger sollte man aber erwähnen, dass der weit überwiegende Teil der vorgestellten Rezepte einen deutschküchenheimatlichen Bezug hat. Letztlich ist jedes Gericht und jede Zutat irgendwie regional. Auch die „Gegrillten Maisbrot-Sandwiches mit Ochsenherztomaten, Scamorza und Gemüse-Relish“ kommen natürlich (je in Teilen) irgendwoher, wo sie typisch sind – und regional. Wenn man ehrlich ist, dann stellt regional eben keine Qualitätsaussage, sondern eine geographische, eine wertfreie Positionsangabe dar.

In der Wahrnehmung vieler Menschen ist der Begriff regional aber angenehm und positiv besetzt und passt sicher gut in unsere Neobiedermeierströmungen. Er ist auch sinnvoll, wenn z.B. Zutaten von regionalen Bauern verwendet werden (die im Übrigen nicht besonders naturnah oder hochwertig produzieren müssen, sondern durchaus eifrige Roundup-Verwender sein können). Nähe sagt nichts über Umgang mit Tier, Pflanze, Welt oder Qualität. Somit ist der Begriff des Regionalen oft zu positiv besetzt, denn die kürzeren Lieferwege, was ja wohl einen Hauptnutzen des Regionalen darstellt, und auch von Geiger im Vorwort so erwähnt wird, sind nur ein kleiner Aspekt von Genuss und Biobilanz.

Und damit sind wir bei der Kernfrage: Wie nennt man ein weiteres vegetarisches Kochbuch (mit einer Menge, meiner Meinung nach, durchaus spannender Rezepte)? Der vorliegende Titel „frisch, bunt & regional“ ist kein Geniestreich, da er selbstverständliche bzw. nichtssagende Adjektive kombiniert, die am Ende immer noch keinen inspirierenden, trennscharfen oder auch nur attraktiven Titel ergeben. Lustigerweise gefällt mir der Untertitel „so liebe ich Gemüse“ ein wenig mehr, da er eine zwar schlichte, aber persönliche Aussage darstellt. Noch besser wäre sicher eine klare, von anderen abgrenzende Haltung.

 

PS: Nicht hilfreich bei der positiven Bedeutungserhaltung von „regional“ sind bekannte Tatsachen wie die, dass der Schwarzwälder Schinken als geschützte geographische Angabe nur bedeutet, dass die Endfertigung, also das Räuchern, am Ort, also regional, erfolgt. Die Schweine können aus aller Herren Länder stammen.

 

Eine gelebte Jeans – Deutsch löst Ideen aus

Von Mey & Edlich, dem Herrenmodeversender aus Leipzig, gibt es ein Produkt mit wirklich erstaunlichem Namen: Die „gelebte Jeans“.

Mey & Edlich sagt dazu: „Mit der Bezeichnung des Artikels möchten wir eine Vorstellung von dem Tragegefühl der Hose vermitteln.“ So einfach kann das sein. Vielleicht hat die Hose schon mal gelebt, oder es hat schon mal jemand in ihr gelebt, sie ist auf jeden Fall nicht wie frisch gestärkt. Eher wie getragen. Aber eben anders, spannender. Nicht einfach nur verkrümpfelt.

Zunächst einmal möchte ich Respekt zollen dafür, einen neuen deutschen Begriff zu verwenden anstatt auf das viel beliebigere Englisch auszuweichen. Irgendetwas löst der schwer greifbare Begriff sicher bei jedem aus.

Und so sieht die Hose aus:

Produktbild der Mey & Edlich gelebte Jeans, lange Beine

Produktbild der Mey & Edlich gelebte Jeans, gefaltet
© Mey & Edlich GmbH, Leipzig

Vielen Dank an Mey & Edlich für die Informationen und die Bilder!

 

Asiatische deutsche Namen: Krieger und Zauber

Wer mich kennt, weiß, dass deutsche Namen und das Verhältnis des Deutschen zum Englischen meine besonderen Steckenpferde sind. Da muss ich natürlich über meinen neuesten Fund schreiben.

Im nicht allen geläufigen Segment der Angelrollen gibt es neben Shimano und Daiwa einen weiteren gewichtigen Player: Ryobi. Manchen mag Ryobi durch ihre DIY Tools bekannt sein, aber die Japaner stellen auch Angelrollen her. Mittlerweile hält allerdings ein chinesischer Hersteller die Lizenz für die Vermarktung der Rollen unter dem traditionsreichen Markennamen. Das Sortiment ist groß, und die Namen meist Englisch oder mit asiatischer Anmutung, teils auch recht künstlich. Man könnte im Großen und Ganzen sagen, vielfältig:

NAXO KRIEGER CARNELIAN ZESTER
OASYS ARCTICA Apuila Fokamo
Vertigo Zester Excia Zauber
Safari Navigator Genius Adventure
Drastic Hechi Chinu Ikada
Ixorne Varius Amazon Insider
Ecusima Applause Stamina Proskyer

 

Wer genau hinschaut, dem fällt etwas auf. In dieser Ansammlung von Namen haben sich zwei deutsche Lexeme eingeschlichen:

Name für eine Stationärrolle von Ryobi: Zauber  Name für eine Stationärrolle von Ryobi: Krieger






„Krieger“ und „Zauber“. Was machen die da? Man kennt das ja aus Deutschland, da heißt vieles „Magic“, aber wenig „Zauber“ – weil „Magic“ ja viel besser als „“Zauber klingt. Was war also  die Motivation von Ryobi, genau den anderen Weg zu gehen und diese beiden deutschen Namen auszuwählen? Ich habe sie gefragt, aber leider keine Antwort erhalten. Deshalb gebe ich diese selbst:

Die deutschen Namen haben ein schönes Schriftbild und vermitteln durch Ihr Deutschsein einen hohen Qualitätsanspruch. Auch inhaltlich passen Sie gut zum kämpferischen Aspekt des Jagens / Fischens wie auch zur herausragenden Technologie der Rollen.

Ungefähr so stelle ich mir die Antwort vor, die ich nicht erhalten habe. Bei „Zauber“ könnte ich sie nachvollziehen, bei „Krieger“ fällt mir das schon schwerer.

Ein wenig erinnert dieser Fall an den der indischen Trainingsfirma Koenig, den ich im Blog früher besprochen habe. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie das Deutsche von außen als attraktiver gesehen wird als aus deutscher Perspektive.

 

Enkelfähig – Zeitschriftentitel für Kopf und Herz

Als ich von „enkelfähig“ las, da traf es mich wie der Schlag. Was war denn das? Und wer traute sich, seine Zeitschrift so zu nennen?

Titelblatt Magazin „enkelfähig Wert & Werte“ von Haniel
Magazin „enkelfähig“ von Haniel © Haniel

Mit dem Absender Haniel hatte ich dann schnell eine (richtige) Ahnung, in welche Richtung das ging und was das sein sollte – die  bildhafte und einleuchtende Übersetzung der Unternehmensphilosophie in ein neues, verständliches (oder zumindest erschließbares) Wort. Geht es noch spannender?

Frau Hausmanns von Haniel war so freundlich, mir das Konzept hinter der Zeitschrift mit diesem besonderen Namen zu erklären. Hier das Wichtigste dazu:

Haniel ist ein traditionsreiches Duisburger Investorenunternehmen im Familienbesitz, das für seine Anteilseigner (die Familie, und das sind hier ca. 650 Menschen) ein langfristig profitables Portfolio gestaltet. Das geschieht so seit den Anfängen des Unternehmens Mitte des 18. Jahrhunderts. Nachdem in neuerer Zeit bereits über die Homepage, den Geschäftsbericht und das Intranet (eher nach innen) kommuniziert wurde, fiel 2011 die Entscheidung für ein eigenes, neues Magazin. Damit sollten weitere Zielgruppen erschlossen und diesen das Geschäftsmodell von Haniel nähergebracht werden. In „enkelfähig“ und seinen Geschichten soll deutlich werden, wie zukunfts- und werteorientert Haniel agiert. Der Titel fasst dies in einem Wort sehr elegant zusammen. Heute ist der Name eine tatsächliche Kommunikationsmarke (er ist übrigens auch als Marke für Publikationen und Medienprodukte geschützt) und hat die Ansprache der Mitarbeiter von Haniel, von Geschäftspartnern, Bewerbern, Journalisten und vielen mehr enorm verbessert.

Zurück zum puren Namen „enkelfähig“, seinem Inhalt und seiner Wirkung. Dass der Name gut sein muss, belegen das Feedback sowohl auf das Magazin selbst wie auch auf den Namen.  Aber was ist das Geheimnis, warum löst der eine Name etwas aus, während der andere alles auf Start stehen lässt? Warum erscheinen in meinem Kopf sofort Bilder von Generationen, von kleinen Kindern mit ihren Großeltern? Warum sind da Werte im Raum, wie Langfristigkeit, Solidität, Ehrlichkeit, Vertrauen? Und wenn ich meinen Versuchspersonen trauen darf, dann geht in ihren Köpfen ganz ähnliches vor sich.

Meine These: Deutsch trifft tiefer als Englisch. Ein deutscher Name, besonders ein innovatives Kompositum, das entschlüsselt werden kann, berührt Menschen anders als ein englischer Begriff (nehmen wir mal als besonders langweiliges Beispiel „sustainable“).  Denn was man tatsächlich versteht, berührt anders als das, wovon man ein vages Bild hat oder erst eines dazukonstruieren muss.

Ein englischer Name hat allerdings den Vorteil, dass sich alle – Absender wie Rezipienten – etwas vorstellen können, von dem sie glauben, dass es damit zusammenhänge – ähnlich einem Wunschkonzert. Weil das Verstehen aber nicht so tief ist, sind sie nicht so stark emotional involviert und berührt wie in ihrer Muttersprache.

Ein hübscher Beleg für die Attraktivität des Namens ist sicher auch die immer wieder erfolgende Verwendung im allgemeinen Sprachgebrauch, in der Welt außerhalb Haniels. wenn z.B. der NRW-Wirtschaftsminister es verwendet – als schöne Alternative zum arg abgedroschenen „nachhaltig“. Vielleicht finden ja über den Namen tatsächlich auch die Ideen Eingang in die Köpfe der Menschen.

 

PS: Ein Projekt von mir mit ähnlicher Ausrichtung ist das Generationendepot der Versicherungskammer Bayern.

 

Ebay führt neues Wort „entfolgen“ ein – dürfen die das?

Wer bei Ebay die „Suche speichern“ Funktion genutzt hat, dem wird es sicher aufgefallen sein. Bisher konnte man seine gespeicherten Suchen löschen, z.B. wenn man den Artikel zwischenzeitlich erwerben konnte. Nun ist das alles anders, man „folgt Suchanfragen“, und logischerweise kann man das Folgen dann nicht löschen, sondern, und da wird es wirklich bahnbrechend, man kann den Suchanfragen nur noch „entfolgen“. Das hat zwar eine gewisse Logik, aber Logik ist nicht immer schön.

Wie das in der Praxis aussieht:

Screenshot Ebay Funktion „entfolgen“

Irgendwie ist es schon schade, dass ein Unternehmen die Macht hat, die Sprache und das Denken der Menschen so plump und unelegant zu verändern. Dabei geht  das viel eleganter. Beispiele finden Sie hier.

 

Galaxy Note 3 – Testnote oder Modell?

Man kennt ja Werbung mit Testurteilen. Am liebsten wird natürlich mit der Note 1 (= sehr gut) geworben. Verständlich. Umso kurioser, wenn man auf Werbung mit der Note 3 trifft, wie beim Galaxy Note 3. Es ist nicht schrecklich dramatisch, aber doch kurios: die Verbindung des englischen „Note“ mit dem Modell oder seiner Version, was im Deutschen Neues schafft:

Galaxy note 3 Name
Plakat von Vodafone mit dem Galaxy Note 3 von Samsung, © Werner Brandl

 

Namen von früher, heute im Regal: Brikett

Faszinierend, was es für Produkte im Regal des V-Markt zu finden gibt: „Brikett“ von Edel, einer Bonbonmanufaktur aus Donauwörth. Scheinbar und vermutlich unverändert seit langer Zeit. Große Kontinuität – bis keiner mehr den Begriff Brikett kennt. Hier die Packung, zum stillen Genießen:

Bonbons „Brikett“ von Edel
Foto der Bonbons „Brikett“ von Edel, © Werner Brandl

 

Was für ein Name für eine Filmproduktion!

Nach langer Zeit mal wieder was zum Thema Film. Ein Freund machte mich auf „Where’s the beer and when do we get paid?“ einen unterhaltsamen Dokumentarfilm (nein, das widerspricht sich nicht!) über und mit Jimmy Carl Black, den Schlagzeuger der Mothers of Invention aufmerksam. Besonders super ist natürlich, dass der Film zum Teil in meiner Heimat im Chiemgau gedreht worden ist.

Jimmy Carl Black Filmplakat

 

Warum er aber hier überhaupt auftaucht, hat einen anderen Grund. Den Namen der Produktionsfirma der beiden Macherinnen des Films: Böller und Brot. Ein Name, der bei mir sofort im Hirn, und gleichzeitig im Herz eingeschlagen hat. Trifft Deutsch doch intensiver als Englisch?