Neu, anders, schöner: Namen für Lebensversicherungen und ihre Varianten

Lebensversicherung? Kennt jeder. Ihre Varianten und Optionen? Da müssen die willigen Kunden beim Informieren und beim Antrag durch, aber verstehen sie das überhaupt? Traditionell werden Versicherungskunden mit schwierigen und oft unverständlichen Namen konfrontiert. Wer neue Kunden gewinnen will, sollte sich um einfache und klare Namen für die Finanzdienstleistungen bemühen. Auch die Versicherungskammer Bayern denkt so und hat deshalb das Thema verständliche Bezeichnungen zusammen mit der Namensentwicklung Werner Brandl angepackt.

Risiko-Lebensversicherung der Versicherungskammer Bayern
Bildwelt der Risiko-Lebensversicherung der Versicherungskammer Bayern 2013, © Bild VKB

Bei den Risiko-Lebensversicherungen gibt es, wie angedeutet, eine Menge Varianten mit eigenen Bezeichnungen. Bei dreien davon erkannte die Versicherungskammer Handlungsbedarf, da diese einer technischen und nüchternen Sicht auf die Dinge entspringen. Vor allem stellen sie nicht den Nutzen für den Kunden heraus. Eine von ihnen hieß „vorgezogene Todesfallleistung“. Man kann das mit ein wenig Nachdenken richtig verstehen, der Name wirkt aber sehr sachlich und klingt fast ein wenig herzlos. Ein anderes Feature hieß „fallend“, was arg steil und nicht sehr vielversprechend klingt. Und dann gibt es noch eine Partneroption, mit der Bezeichnung „verbunden“. Diese ist technisch sicher korrekt, aber sie besitzt noch Potential in den Dimensionen Attraktivität und Klarheit.

Meine Aufgabe war es, für diese drei Varianten attraktivere, leicht verständliche und deutsche (also nicht diffus-modern englischbasierte) Namen zu entwickeln. Namen, deren Bedeutung die Kunden leicht erfassen, und die dem Vertrieb die Arbeit erleichtern, da weniger Zeit für Erklärungen benötigt wird.

Wie lauten nun die Bezeichnungen der Varianten vor und nach der Umbenennung? Hier die ersten beiden:

Risiko-Lebensversicherung der Versicherungskammer: neue Variantennamen
Bild 2: Entwicklung von zwei Variantennamen zur Risiko-LV: „für zwei“ und „absinkend“

Und die dritte Variante:

Risiko-Lebensversicherung der Versicherungskammer: neue Variantennamen
Bild 3: Entwicklung des Variantennamens „Leistung zu Lebzeiten“ zur Risiko-LV

Die neuen Namen sind klarer, zeitgemäßer, verständlicher, freundlicher und attraktiver. Sie meinen, die Lösungen klängen einfach? Perfekt, denn genau so sollen sie auch wirken – quasi selbstverständlich. Dass es trotzdem schwierig war sie zu finden, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und für den Versicherungskunden ist das (zum Glück) eh überhaupt nicht wichtig.

Noch ein paar Worte zum Auftraggeber und zur Produktwelt: In Bayern kennt die Versicherungskammer jeder, denn hier ist sie der Marktführer. Sie gehört zu den zehn größten Erstversicherern in Deutschland und hat alle relevanten Versicherungen für Privatpersonen und Gewerbe im Portfolio. Auf dem Gebiet der Lebensversicherung bietet sie verschiedene Varianten der Rentenversicherung für die eigene Altersvorsorge an, aber auch den Klassiker Risiko-Lebensversicherung, um seine Kinder, seine Familie – wen man halt gerne hat – zu versorgen. Um Vermögen zu bilden und zu übertragen gibt es innovative Produkte, wie das GenerationenDepot, und die neu eingeführte EinkommensSicherung schützt vor den finanziellen Folgen von Berufsunfähigkeit.

Der Fleischkongress – eigentlich ein ehrlicher Name

Ich bin ja ein großer Freund zugänglicher deutscher Namen. Ein wenig ins Stutzen kam ich aber, als ich eine Einladung zum „Fleischkongress“ erhielt. Der Name lässt nichts aus: Kernthema, Sinn und Zweck, alles lässt sich herleiten. Der Name verfügt sogar über eine (sonst meist ja tolle) innere Spannung, denn hier sind zwei Begriffe zusammengespannt, denen man in freier Wildbahn nur getrennt begegnet. Und dennoch, richtige Begeisterung will sich nicht einstellen. Das Gefühl ist halt einfach dagegen.

Name Fleischkongress

 

Serviceplan Facit – Die Made der Innovation. Greislich.

Deutsch und Englisch – wann was?

Auf einer Tagung. Stände verschiedener Dienstleister sind aufgebaut. Marktforscher, Verleger, Personalvermittler. Auf einem der Stände liegen lustige Flyer aus. Darauf steht: Made der Innovationstreiber. Nicht so richtig anziehend. Da ich berufsbedingt notorisch neugierig bin und gerne analysiere, habe ich natürlich gleich die Auflösung im Kopf: eine quasi subkutane Analysemethode, die das Innerste herausarbeitet und dann am Ende die Verwandlung in eine perfekte Innovation. Zugegeben, man muss sich schon etwas bemühen, um auf eine solche Auflösung zu kommen.

Der Abgleich mit den Unternehmensbotschafterinnen von Facit offenbart dann eine viel unspektakulärere Auflösung, und viel weniger Wagemut als vielmehr eigenwillige Kommunikation: Man muss es anders lesen. „Made“ ist nicht Deutsch, sondern Englisch, „der Innovationstreiber“ ist natürlich Deutsch. Warum man der kleinen Made dann nicht wenigstens ein Komma zur Abgrenzung spendiert hat, bleibt wohl das Geheimnis der Verantwortlichen.

Es spricht natürlich nichts dagegen, englische Begriffe auch in deutschem Sprachkontext zu verwenden, aber eine verständliche Kommunikation ist auch heute immer noch sinnvoll. Finde zumindest ich.

 

PS: Geht es nicht auch eigentlich um „make“ statt „made“?

PPS: Wer sich besonders für Claims und Slogans interessiert – hier lang.

Schöne deutsche Begriffe: Der Drüberstreuer

Wieder mal bei unseren österreichischen Freunden im Supermarkt gewesen und ein herrliches Produkt gefunden. Den Drüberstreuer. Na, klingelt’s? Ja, genau, der wird verwendet zum Drüberstreuen. Was kann man gut drüberstreuen? Genau, Puderzucker. Hier ist er:

Packshot des Drüberstreuers für Puderzucker
So einfach ist das: Der Drüberstreuer für Puderzucker, © Werner Brandl

Adressen als Namen – Immer wieder zum Wundern

Gerade bin ich wieder darüber gestolpert. Adressen als Geschäftsnamen:

Adressen als Geschäftsnamen - Beispiele zur Illustration

Was soll das?

Warum macht man so etwas für ein Architekturbüro, einen Designladen oder sogar ein Café? Natürlich sage ich immer, jetzt warten Sie mal mit weltweit, wenn ein Neugeschäftseröffner anfragt und schon im Geiste den Erdball erobert hat.

Aber muss man sich denn im anderen Extrem wirklich auf eine Hausnummer in einer Straße festlegen? Sind denn die Hausnummer und der von der Stadt vergebene Straßenname so super, dass man das ausloben muss? Und natürlich, ganz banal: Was ist beim Umzug? Gibt es vielleicht eingeschränkte Möglichkeiten in anderen Städten die identische Adresse zu bekommen.

Wohl dem, der einen Bahnhofstraßennamen hat. Da steht ein neuer Name natürlich schon Gewehr bei Fuß, egal, wohin man geht. Auch wieder charmant.

Wer noch mehr zu Unternehmensnamen lesen möchte – hier gibt es eine kleine Einführung.

Das böse Wort – Grund für Lebensmittelverschwendung enttarnt

Wenn man die öffentliche Diskussion um verschwendete Lebensmittel, die „Mülltaucher“, die Unmengen entsorgter (also weggeschmissener und verrotteter) Lebensmittel verfolgt, könnte man meinen, der Begriff des Mindesthaltbarkeitsdatums wäre das Problem. Weil der so negativ ist. Und weil alle glauben, danach wäre das Lebensmittel nicht mehr genießbar. In Wirklichkeit aber würde es mit Ablauf des MHD wohl erst so richtig lecker. Wer schon mal Chips nach dem MHD probiert hat, der weiß, wovon die Rede ist.

MHD Mindesthaltbarkeitsdatum - Name / Bezeichnung
MHD Mindesthaltbarkeitsdatum. Name und Wirkung.

Die heilbringende Lösung kommt aus England, wo ja auch das gute Essen herkommt, oder zumindest der Messias der Schulküchen: „Zu genießen bis zum …“, „Schmeckt gaaaanz gut bis zum …“ oder „Am besten vor dem xxxx essen“. Wunderbar, was für tolle Lösungen. Was soll daran denn besser sein? Sie etablieren genauso die Zweiteilung des Zeitraums in „guten Zeitraum“ und „bösen Zeitraum“. Das ändert an der Sache überhaupt nix. Es erinnert an die Umbenennung der Bundesschuldenverwaltung in Finanzagentur des Bundes. Hat die Schulden nicht signifikant reduziert.

MHD Mindesthaltbarkeitsdatum als Zeichen für Qualität
MHD Mindesthaltbarkeitsdatum als Zeichen für Qualität

Man könnte natürlich einen Schritt weiter gehen: Garantiezeit wäre eine Idee, aber mit Garantien wird man wohl nicht auf viel Gegenliebe bei den Lebensmittelherstellern stoßen. Oder man gibt einfach das Produktionsdatum und einen empfohlenen Zeitraum für den Verzehr an. Ändert am Grundprinzip wieder nichts, und wenn die Leute sehen, wie alt die Lebensmittel schon sind, wird das ihre Kauflust sicher nicht stimulieren, sondern eher abschrecken. Es ist doch viel schöner zu sehen, dass eine Wurst noch zwei Monate haltbar ist, als dass sie schon vor sechs Monaten produziert wurde und noch zwei Monate haltbar ist.

Und wenn man sich überlegt, wofür das MHD eingeführt wurde, dann war ein Grund wahrscheinlich exakt der, den es jetzt erfüllt: für einen gewissen Frischegrad und eine gewisse Unbedenklichkeit des Verzehrs von abgepackten Lebensmitteln sorgen. Die Ursachen für die Unmengen weggeworfener Lebensmittel liegen sicher weniger im MHD begründet als vielmehr in Convenience, Immerverfügbarkeit, überbordender Auswahl, Sortimentsbreite, niedrigen Lebensmittelpreisen und was weiß ich noch alles. Und das arme Wort soll jetzt schuld sein.

Vielleicht sollte man den Leuten einfach besser erklären, was das MHD bedeutet. Denn ein Missverstehen des Sachverhalts wird durch Umbenennen nicht ausgemerzt, es ist nur eine Umetikettierung. Eigentlich sollten die Hersteller und der Handel daran auch ein Interesse haben. Vielleicht ziehen ja mal alle an einem Strang? Dass Nachhaltigkeit, Brachialisolierung von Gebäuden und die GEZ gut sind, wurde ja schließlich auch allen beigebracht …

 

PS: Eine andere, recht deutsche Lösung wäre natürlich, einfach „best before“ zu verwenden. Ein super englischer Ausdruck, alle stellen sich was Schönes vor, und ein Teil versteht gar nix, perfekt.

PPS: Unter welchem Label wurden eigentlich in der EU traditionell die Lebensmittel vernichtet, wenn aufgrund der Planwirtschaft mal wieder zu viele produziert wurden?

 

Lieber extravagant als irrelevant – Kooperation Nomos – Roeckl

Nomos & Roeckl bleiben bei den ungewöhnlichen Pflanzennamen.

Schon vor einigen Jahren hat Nomos ein unglaubliches Namenssystem für Sondermodelle der Damenarmbanduhr „Tetra“ gemacht. Die 16 tuchmatten Farben der Zifferblätter waren an das Aussehen von kleinen, wilden Blütenpflanzen angelehnt. So kam es zu wunderschönen deutschen Modellbezeichnungen (Chapeau den Namenserfindern!). Eine kleine Auswahl davon:

Jelängerjelieber, Tausendschön, Maßliebchen,
Hasenohr, Sumpfkratzdistel, Bärenfuß,
Flohkraut, Knabenkraut etc.

Im Sommer wurde diese Tradition wiederbelebt, und jetzt ist schon Herbst, aber thematisch passt es hier sehr gut. In einer Kooperation mit dem Münchener Handschuhhersteller Roeckl wurden Sets von Uhr und Handschuh entwickelt, die wieder sehr bemerkenswerte Namen tragen. Nomos formuliert es so: „Mit der Serie Tetra + Uhren in den Farben von Pilzen und Beeren, und Handschuhen in den gleichen Tönen verbeugen sie sich ein wenig vor der Manufakturkunst des anderen – und küssen ihren gemeinsamen Kundinnen rechts und links die Hand.“ Allerdings auch dieses Mal nur für Damen – warum eigentlich nicht auch für Herren?

Nomos Tetra Uhren und Handschuhe mit ungewöhnlichen Namen
Auswahl der Nomos Tetra Uhren und Handschuhe, © Nomos

So heißen die vier neuen Sondermodelle Burgundertrüffel, Erzgebirgsperle, Mäusedorn und Blasser Zonenmilchling. Produktnamen, die auffallen, erstaunen, berühren, Bilder wachrufen, und in Erinnerung bleiben.

Die Erklärung von Nomos hierzu:
„Diese vier Uhren der neuen Serie Tetra +  gibt es samt Roeckl-Handschuhen zum Preis von 1.200 respektive 1.340 Euro im September im ausgesuchten Uhrenfachhandel. Woher der Unterschied kommt? Modell Burgundertrüffel und Modell Mäusedorn besitzen noch ein kleines Extra: Sie zeigen die hochfeinen Manufakturkaliber, die in ihnen ticken – durch einen Saphirglasboden. Blasser Zonenmilchling und Erzgebirgsperle hingegen kommen etwas schüchterner daher, mit Stahlboden. Wunderschön sind sie alle vier.“ Wer mehr wissen möchte – hier geht’s zu Nomos, und hier zu Röckl.

Uhr von Nomos und Handschuh von Röckl in Anwendungssituation
Uhr und Handschuh in Anwendungssituation, © Nomos

 

Dt. Name – Int. Unternehmen: Naming mal anders rum.

Faszinierend: In einer Computerzeitschrift war ein Artikel über einen indischen Anbieter von IT Fortbildungskursen. Wie man sich leicht vorstellen kann, sind die Vorteile die folgenden: viel billiger als in Deutschland (nur Hälfte bis Drittel der Kosten) bei fantastisch kompetenten Trainern. Deshalb verschiffen wir jetzt die ITler der Welt nach Indien, wo sie in mehrwöchigen Kursen die entsprechenden Zertifikate der großen IT Konzerne erwerben. So weit so gut.

Richtig interessant wird die Sache nämlich beim Namen des führenden Anbieters von solchen Kursen: Rohit Aggarwal. Halt, das ist gar nicht der Name des Anbieters, das ist der Gründer von, ja, jetzt wird’s spannend: Koenig Solutions.

Logo Koenig Solutions Internationaler Unternehmensname

Ein indisches Unternehmen, beheimatet in Delhi, mit einem deutschen Namen? Na klar, wir machen so etwas ja auch die ganze Zeit, also fremdsprachliche, insbesondere englische oder auch französische und italienische Namen für deutsche Unternehmen. Und wie so oft, fällt einem etwas besonders auf, wenn man selbst davon betroffen wird, also wie hier, wenn ein indisches Unternehmen einen deutschen Namen wählt. Warum machen die das? Die Gründe der deutschen Unternehmen sind oft der Wunsch nach Internationalität (was immer das genau sein mag) und globalem Appeal. Und was war die Motivation der Inder?

So haben wir uns mit ein paar Fragen an den Gründer gewandt um seine Gründe für die Wahl des Unternehmensnamens herauszufinden. Hier unsere Fragen und seine Antworten:

1. What kinds of services does your company offer?

We offer training and certification for Microsoft, Cisco, Oracle, VMware and Red Hat technologies. 98% of our customers are from outside India and many are from Germany.

Screenshot von Koenig Solutions - Deutscher Name für internationales Unternehmen

2. Who is the main target group of your company?

IT Professionals, aspiring IT professionals and companies who require to train and certify their IT staff.

3. Why did you choose the German name „Koenig Solutions“?

It is a funny story and dates back half a century. My father started a manufacturing business in India in the 1960’s for import substitute electromechanical components such as microswitches. German and Japanese goods were held in high esteem so he named his company Essen Deinki (Essen is a well known industrial town in Germany and Deinki is Japanese for electric company). His products were very good quality and the fact that they sounded German and Japanese also helped. He did quite well. In 1970s he branched out into electronic products and again looked for a German name. This time he chose Koenig, and Koenig Electronics was born. In 1990s after graduating from college I was looking for a name for my company and Koenig Solutions sounded just right. Initially we had marketed under the brand of Digital Equipment Corporation but DEC went out of business and we switched to the Koenig name. Koenig is difficult to pronounce and marketeers say it is not a good choice for a B2C brand. But it has proven lucky for us.

Und hier noch ein Screenshot mit der Kartenübersicht:

Screenshot von Koenig Solutions - Deutscher Name für internationales Unternehmen - mit Indienkarte

4. How do people in India react to your company name?

They find it difficult to pronounce and remember. Our sales staff spends a lot of time pronouncing and spelling out the name. And our accounts staff has to handle a lot of incorrectly addressed cheques (most common being “Koeing”). But we think the German connotation still reassures a lot of our clients about the quality.

5. How do your clients / inquiring parties from all over the world react (eg. Americas, Europe, Asia)?

Everyone is curious why an Indian training company is named Koenig but we think this is also one reason they look deeper to find more about us.

6. Is there any difference concerning the reactions of people from various regions all over the world?

Not really, except that some people have greater difficulty in pronouncing and remembering the name correctly. Of course, Europeans and Americans are more familiar with the name.

7. Are you happy with your name decision and would you do it again this way? Is there anything you would do differently if you had to choose a name again today?

Since we are a successful company and somewhat superstitious we believe it has been a lucky name for us and we will not want to change it. We believe that like accidental ideas (and “accidental billionaires”), accidental names are propitious – so we will again let a name pop up from nowhere.

I would like to express my gratitude to Ujala Bhatia of Koenig Solutions for providing all the information and images requested for use in this article!

Und natürlich auch vielen Dank an Ingrid Weidner, die mich überhaupt erst auf das Thema gebracht hat!