Täuschung trotz Nüchternheit: Irreführender Wein bei Netto

Selten kann man die Absichten und Folgen der Namenswahl so schön erkennen wie bei Grenzgängen und Verletzungen. Bestes Beispiel ist ein Wein, der diese Woche bei Netto im Angebot ist: ein Grosses Gewächs zu 9,99 Euro. Für die Nichtweinafficionados, das ist so als bekäme man einen Champagner für 6,99 Euro, also eigenartig billig.

Kenner werden stutzen – wie geht das, ein GG zu diesem Preis? „Täuschung trotz Nüchternheit: Irreführender Wein bei Netto“ weiterlesen

Warum heißt ein guter Wein „Sau Geil“?

In Geisels Vinothek war ich letzte Woche essen. Bei der Weinkarte stutzte ich. Da fand sich ein Weißwein „Sau Geil“ – eine interessante Cuvée von renommiertem Weingut, aber mit einem Namen aus der Riege der Schlüpferstürmer, Feiglinge, Ficken etc. versehen. Ja, so können alkoholhaltige Getränke in Deutschland heißen. Gerade bei alkoholischen Getränken bewegt man sich gerne in den „witzigen“ Randgebieten. Wie passt dieser Wein in die Abschleppgetränkeriege?

Zum Glück hatte ich von diesem Wein schon mal gelesen. So positiv beeinflusst, bestellte ich ein Glas „Sau  Geil“. Ich hätte aber lieber Stefansberg oder SG (vielfältig auflösbar ;-)) oder was auch immer gesagt. So bestellte ich nicht mit Freude, sondern mit leichtem Widerwillen ob der Würdelosigkeit den „Sau Geil“ Wein. Der übrigens sehr gut schmeckt. So sieht er aus:

Flasche Weißwein SauGeil

Warum tun Sie das? Sie, als Geisel (renommierter Gastronom hoher Qualität) und Sauer (analoger Winzer) – warum stellen Sie sich in diese Reihe? Warum geben Sie Ihrem Wein einen Namen, den man dem Kellner kaum sagen, einem Freund kaum empfehlen, bei einem feinen Essen ungern in den Mund nehmen mag? Ich verstehe Sie nicht, vielleicht können Sie mir helfen oder sich ändern. Und natürlich den Weinnamen.

Schönen Gruß

Werner Brandl

 

PS: Wenn Sie den Selbstversuch machen möchten, stellen Sie sich ein gediegenes Restaurant vor, Sie bestellen Ceviche von der Bachforelle mit kandierten Limonentropfen und der Kellner empfiehlt dazu einen Sau Geil.

 

Vinho Verde Rosé – ein Wein, zwei Farben im Namen?

Erst staunt man, was bei Aldi da im Angebot ist: Ein Vinho Verde Rosé. Grün und Rot vereint in einem Wein, der typischerweise eher blassgelblich daherkommt?

Foto einer Flasche Vinho Verde Rosé

Gemach gemach, alles hat seine Ordnung. Wir können hier das Phänomen der Lexikalisierung bestaunen.

Die aus dem Aussehen der Umwelt (sattgrüne Landschaft) und dem extrem kurzen Reifeprozess hergeleitete Bezeichnung des „grünen Weins“ (es geht übrigens nicht um unreife Trauben, das kann man in der Wikipedia lernen) wurde im Laufe der Zeit zu einem Namen, dessen ursprüngliche Bedeutungskomponenten von einer neuen Gesamtbedeutung überlagert wurden: frischer, leichter Sommerwein, der auch gut ins Ausland verkauft werden kann. Und der ganz ganz grün, also jung getrunken werden sollte, sonst wird er ungenießbar.

Es gibt folgende Varianten von Vinho Verde: Vinho Verde, Vinho Verde Tinto, Vinho Verde Rosé.

Im Prinzip ist es hier ähnlich wie bei allen Namen, deren ursprüngliche Bedeutung verloren gegangen ist bzw. nur noch bei bewusstem Nachdenken aufscheint. Bei Lufthansa denkt ja auch niemand mehr an Schiffe oder Handelsschifffahrt. Nur bei Farbkombinationen ist alles ein wenig auffälliger …