Pharmanamen: Erstaunliches im Insulinmarkt

Bei einer Recherche im Insulinmarkt fiel mir wieder auf, wie stark Namen eine Voreinstellung von Ideen auslösen, und dass dies die erstaunlichen Möglichkeiten der Namensgebung perfekt illustriert. Und ja, das ist häufig ein Grenzgang, wie man an Fällen wie Glen Buchenbach (einem Schwarzwälder Whisky, der sich namentlich so sehr angeschottet hat, dass er große rechtliche Probleme bekam) leicht erkennen kann. Wo endet die Freiheit der Benennung, wo fängt die Irreführung des Verbrauchers an?

Deshalb heute ein paar bemerkenswerte Fälle der Namenswahl in einem klar abgegrenzten Geschäftsfeld. In der Auswahl waren insgesamt 42 Pharmanamen von Unternehmen weltweit, die mit der Produktion von Insulin zu tun haben – privat, staatlich sowie börsennotiert. Sie finden sie in diesem Artikel. Ich habe die sieben spannendsten und in Deutschland weniger bekannten Pharmanamen daraus ausgewählt und für Sie eingehend betrachtet.

Erster Kandidat: Landsteiner

Landsteiner – na klingelts? Der österreichische Hämatologe, der das AB0-Blutgruppensystem entdeckte und dafür den Nobelpreis bekam? Genau, um den geht es hier. In Analogie zu Tesla hat sich ein mexikanisches Biotechunternehmen diesen Namen voller Kompetenz und Tradition gesichert.

Zweiter Kandidat: Kalbe Farma

Ich dachte ja zuerst an etwas Deutsches, warum wohl? Tatsächlich handelt es sich hier um ein indonesisches Unternehmen und zwar ein ziemlich großes. Ein Konglomerat aus verschiedensten Branchen und Firmen mit einem starken Pharmastandbein. Woher der Name kommt? Leider nicht eruierbar, und keine Antwort von der Firma.

Dritter Kandidat: Wockhardt

Eine eher wunderliche Entstehungsgeschichte, die Basisinformationen aus der Wikipedia:
„Wockhardt was founded by Dr. Habil Khorakiwala in the 1960s.[10] His father Fakhruddin T. Khorakiwala had acquired Worli Chemical Works[11] in 1959. This was incorporated as Wockhardt Pvt. Ltd., in 1973.[3] Wockhardt Ltd. was incorporated on 8 July.1999.“

Zur tatsächlichen Namensbildung bemerkt die India Times:
Wockhardt – a name derived from the family firm Worli Chemicals and given a German tweak for effect – became a pharmaceuticals and healthcare success story over the next four decades.

Vierter Kandidat: Denver Farma

Das F in Farma verrät schon, dass das Unternehmen wohl nicht aus Colorado stammt. Tatsächlich ist es in Buenos Aires angesiedelt. Wieso es so heißt, ist unklar. Auf der Website wird der Namensursprung nicht thematisiert.

Fünfter Kandidat: Lupin

Wieder Indien. Charmanterweise stellt das Unternehmen die Info bereit, die ich gesucht habe (DBG ist die Abkürzung des Firmengründers):

Lupin - Ursprung des Pharmanamens
© https://www.lupin.com/about-us/our-story/

Hier noch mal der relevante Text aus dem linken Kasten:
DBG named the company after the Lupin flower. The Lupin flower can grow in harsh conditions and also nourish the soil. Inspired by nature’s example of selfless giving and resilience, DBG set up Lupin to address unmet medical needs despite the challenges on ground.“

Sechster Kandidat: Geropharm

Ganz spannend, denn ein Kandidat, wo man nicht so recht weiß, auf welche Herkunft der Name verweisen könnte. Das einzige, was mir einfällt, ist die Geriatrie, und die passt ja hier nicht so richtig. Tatsächlich gehen wir nun wieder Richtung Europa und sind in Russland gelandet, genauer in St. Petersburg. Geropharm ist ein junges Unternehmen, gegründet 2001, aber mit erstaunlichem Wachstum und großer Finanzkraft. Zum Namensursprung konnte ich nichts finden.

Siebter Kandidat: Belmed

Leicht französische Anmutung?
Ein Hauch von Romanisch?
Nein, wir sind in Belarus, dem früheren Weißrussland.
Belmed ist das größte Pharmaunternehmen im Land und stellt mit über 3000 Mitarbeitern mehr als 350 Medikamente her, so auch Insulin. Ein Element von „Belarus“ im Namen zu verwenden – eine naheliegende Strategie für einen Pharmanamen.

Fazit: Die Namen aus kommunikativer Sicht

Hinter manchen Namen verbirgt sich Erstaunliches, hinter manchen nichts Aufregendes, und bei manchen wirklich wenig. Manches vermittelt sich unmittelbar, anderes muss (und kann) erst entdeckt werden.

Gerade im Kontrast, wie die Namen von den jeweiligen Firmen angewendet und teilweise hingebungsvoll erklärt werden, sieht man die Möglichkeiten. Die Namen geben die Philosophie des Unternehmens wieder und sind ein echter Markstein, oder sie werden in ihrer Bedeutsamkeit herzhaft ignoriert. Man kann hier auch von verschenkten Möglichkeiten sprechen, denn der Name ist ein herausragender Anknüpfungspunkt um Bekanntschaft zu machen, um eine Geschichte zu erzählen, um in Erinnerung zu bleiben.

Hier übrigens noch die drei Weltmarktführer mit gewaltigen Marktanteilen, die aber eh jeder kennt: Novo Nordisk, Sanofi, Eli Lilly.