Verrückt: Der Angriff des Herzens – die Herzattacke

Vom eigenen Herzen gemeuchelt.

Früher, da gab es das nicht: Herzattacken. Da haben Herzen nicht Menschen angegriffen. Da bekam vielleicht das Herz ein Problem. Erst wurde es weniger arbeitsfähig, später dann arbeitsunfähig und schließlich konnte es einfach nicht mehr. Ergebnis war ein toter Mensch, gestorben, weil etwas kaputtgegangen war – zum Beispiel das Gewebe eines Herzens.

Heute ist das anders. Heute erleiden Menschen Herzattacken. Bekannte Opfer aus letzer Zeit sind Antonio Banderas und Carrie Fisher. Überall lauern diese Herzen, greifen in unbeobachteten Momenten an, und bringen um, morden quasi. Wie konnte sich das Kollabieren und Absterben – der gute alte Myokardinfarkt – in nur 20 Jahren zu einem heimtückischen Angriff entwickeln?

Vermutlich ganz schlicht durch den Import des englischen „heart attack“ und seine Lehnübersetzung „Herzattacke“. Und was im Englischen passt, das muss es im Deutschen auch, selbst wenn es im Deutschen einfach ein blanker Angriff ist:

Begriffs- und Bedeutungsveränderung: Herzattacke - Herzinfarkt

Wie wir Dinge bezeichnen, verrät etwas über unser Verhältnis zu ihnen. Es ist eine Wechselbeziehung. Durch Sprache stellen wir die Welt dar und konstruieren sie. Wir machen sie so greif- und handhabbar für uns. Aber natürlich beeinflusst auch die Sprache wiederum uns und unser Denken. Ein Klassiker auf diesem Feld ist sicher „Women, Fire, and Dangerous Things“ von George Lakoff. Er behandelt zwar vor allem Metapher und Metonymie, doch für Bezeichnungen und Namen gelten in hohem Maße gleiche Prinzipien.

Doch der Kampf der Attacke mit dem Infarkt ist noch nicht entschieden! In vielen Medien wie Stern oder Bunte werden die Begriffe einfach nebeneinander verwendet. Wird der Infarkt doch noch gewinnen? Unser Herz, das so treu für uns arbeitet, es hat eine schönere Bezeichnung selbst für seine Fehlfunktion verdient.

 

USA Forever: Mehrdeutigkeit und Irreführung

Was denkt man als Deutscher, wenn man einen Brief mit solchen Briefmarken bekommt?

USA Forever Briefmarken

USA Forever Briefmarken Nahaufnahme

Als deutscher Laie denkt man sich halt, die USA, das sind schon so welche. An Selbstbewusstsein fehlts da echt nicht. Und ganz still bei sich „Deutschland in alle Ewigkeit klänge wohl irgendwie eigenartig“. Also, warum steht da „USA Forever“ auf den Briefmarken?

Die Nachfrage bei der Absenderin ergab ein äußerst kurioses Ergebnis. Es handle sich hier nicht um besonders patriotische Briefmarken, sondern einfach um sogenannte „forever stamps“. Egal wie das Porto sich verändert, man kann sie immer verwenden. Das wäre natürlich auch eine tolle Innovation für die Deutsche Post und würde die jährlichen Portoerhöhungen leichter handhabbar machen.

Nach einer Weile kam dann aber noch einmal eine Botschaft aus den USA mit der Ergänzung „so habe ich das noch nie betrachtet, aber wenn man es in Kombination mit der wehenden Flagge sieht, dann kommt das schon äußerst patriotisch und nationalistisch rüber“.

So hat jedes Ding zwei Seiten. Und Bedeutungen haben noch viel mehr.

 

PS: Hier noch ein paar Infos zu den Forever Stamps und eine Auswahl der US Post. Da habe ich wohl das missverständlichste Modell bekommen.

Supermarkt-Report von der Amerika-Korrespondentin

Im Herbst hatte ich ja selber ein paar interessante Produktnamen von meinem USA-Besuch vorgestellt: Souvenirs 1, Souvenirs 2 und Souvenirs 3. Nun habe ich direkt von Mercer Island, was quasi um die Ecke von Bill Gates und Jeff Bezos liegt, sensationelle neue Produktbilder von meiner Amerika-Korrespondentin erhalten:

Erstmal eine Remineszenz an die alte Welt und die neue:

Alpenrose fettreduzierte ButtermilchFarrah Fawcett Limo / Cola

Für alle, die sich über die Aussprechbarkeit ihrer Namen Gedanken machen:

Baconluxuous Schokolade mit Schinken

 

Kategorieuntypisches Design einer Schokoladentafel – wem fallen die meisten unpassenden Assoziationen ein?

Alcove Red Velvet Milchschokolade

 

Und eine der auch in Deutschland immer populärer werdenden Schwafelpackungen:

Pink Bubbly Schokoladendrink

Neue Marke YOU – ich als Spülmittel

Sollte das ein neuer Trend sein? Das „You“?

Es ist auf jeden Fall erfrischend, sich die Analogie von Deo und Spülmittel zu gewärtigen. Ich bin ich – und die nächste Stufe ist das Eins werden mit dem Spülmittel. Wollten wir das nicht schon immer? Da bekommt auch der putzige Begriff „Spüli“ gleich eine andere Bedeutung. Man sollte seine Schreibung auf jeden Fall in „spül i“ ändern, oder gleich in „i spül“.

Wobei auch das Beispiel von Axe letztlich kurios ist. Denn das Versprechen, dass ich ich werde oder dass etwas für mich gedacht ist oder mir hilft ich zu sein, das sollte leichter haltbar sein als die alte Magnettheorie (Deo zieht Frauen an).

Plakat für Spülmittel YOU bei dmPlakat für AXE YOU Deo

Als nächste Stufe der Vermarktung schlage ich vor: Das Spülmittel bzw. Das Deo. Das knallt so richtig. Und hat es noch nie gegeben 😉

Und hier noch was für die Fangemeinde des in München so beliebten Werbebairisch:

„Spül i scho oder iss i no?“

 

Capri Sonne wird Capri Sun – hilft ja nix

Wer kennt sie nicht, die sagenumwobene Capri Sonne? Viele durften sie nicht wie Wasser zu Hause trinken, sondern bekamen sie nur auf Schulausflüge mit, als besonderen und praktischen Proviant. Das kleine Getränk ist schon seit rund 50 Jahren unter dem Namen, der noch die deutsche Urlaubsleidenschaft der Nachkriegszeit atmet, auf dem Markt.

Nun ist es so weit. Die Neuzeit hält Einzug. Eine der letzten Bastionen des Deutschen Produktnamings (haha, Deutsch, klar) fällt. Die Capri Sonne heißt ab 2017 global Capri Sun. Und wer den ersten Stein werfen möchte, sollte über sein eigenes Sprachverhalten nachdenken. Wenn das nicht reicht zum Beruhigen, einfach mal erinnern, wie oft er / sie in letzter Zeit Capri Sonne gekauft hat. Oder sich überlegen welche Einsparungen die Deutschen Sisi-Werke damit einfahren und dabei nur noch wundern, warum sie die Umbenennung nicht schon vor 10 Jahren durchgezogen haben …

Don’t look back in anger:

Capri Sonne Range mit fünf Produkten

My Sissi Time – lustiger Deutsch-Englisch Kuddelmuddel

Da sich Austrian Airlines / my Austrian tatsächlich auch an englischsprachige Menschen mit den überall in München präsenten Plakaten richtet, ist ein kleines Schmunzeln nicht ganz zu vermeiden. Denn die österreichische Kaiserin Sissi ist im Englischen als „sissy“ eine kleine Heulboje, oder wie die Gebildeten sagen würden, arg larmoyant. Welcher Tourist wäre das nicht auch mal gern – imperial weinerlich in Wien.

My Sissi-Time Plakatwerbung Wien

PS: „Imperiales Wien“ ist eine sehr witzige Formulierung. Quasi royal getextet.

Kurioser Slogan: Speedstar – The Power of Energy

Faszinierender Slogan auf einer Energydrinkdose gefunden:

Speedstar Energy Drink Slogan

The Power of Energy – was könnte man mehr wollen als mehr vom Gleichen? Immer wieder erstaunlich, wie  in Deutschland kreativ mit Sprache und dem Englischen speziell umgegangen wird. Werbung darf alles.

Meine amerikanische Testtrinkerin (eine Kollegin bei Catchword) fand allerdings den Namen noch lustiger. Denn während in Deutschland Schokoriegel beim Discounter mittlerweile problemlos SPEED heißen können, sind in den USA die Drogenassoziationen noch recht stark: „The name Speedstar itself is perfectly pleasant to American ears, alternately evoking a track-and-field Olympian or a shooting star traveling across the night sky. The use of the word ’speed‘ for an energy drink, however, also conjures up stimulants and meth, which is good or bad depending on your perspective!“

 

Eine gelebte Jeans – Deutsch löst Ideen aus

Von Mey & Edlich, dem Herrenmodeversender aus Leipzig, gibt es ein Produkt mit wirklich erstaunlichem Namen: Die „gelebte Jeans“.

Mey & Edlich sagt dazu: „Mit der Bezeichnung des Artikels möchten wir eine Vorstellung von dem Tragegefühl der Hose vermitteln.“ So einfach kann das sein. Vielleicht hat die Hose schon mal gelebt, oder es hat schon mal jemand in ihr gelebt, sie ist auf jeden Fall nicht wie frisch gestärkt. Eher wie getragen. Aber eben anders, spannender. Nicht einfach nur verkrümpfelt.

Zunächst einmal möchte ich Respekt zollen dafür, einen neuen deutschen Begriff zu verwenden anstatt auf das viel beliebigere Englisch auszuweichen. Irgendetwas löst der schwer greifbare Begriff sicher bei jedem aus.

Und so sieht die Hose aus:

Produktbild der Mey & Edlich gelebte Jeans, lange Beine

Produktbild der Mey & Edlich gelebte Jeans, gefaltet
© Mey & Edlich GmbH, Leipzig

Vielen Dank an Mey & Edlich für die Informationen und die Bilder!

 

Screwfix und Postcon – gute Namen oder nicht?

Oft hört man von Kunden den Satz „Wir möchten keinen neuen Pajero“. Doch wann ist ein Namen geeignet für seine Zielmärkte? Wie stark darf ein Name an negative oder schlüpfrige Themen erinnern und bleibt doch geeignet für seinen geplanten Einsatz? Betrachten wir zwei Beispiele.

Im Raum Frankfurt eröffnet dieser Tage ein neuer Baumarkt, mit dem klingenden englischen Namen „Screwfix“.

Englischer Markenname Screwfix für Baumarkt

Die mit etwas tiefergehendene Englischkenntnissen Gesegneten mögen schmunzeln, ist der Name doch ein Synonym zum F-Wort – aber so einfach ist die Sache nicht. Zumal der riesige Konzern hinter diesem Konzept und dem Namen durchaus des Englischen mächtig ist. Er stammt aus dem Mutterland des Englischen und hört auf den Namen Kingfisher, seines Zeichens größter europäischer Baumarktkonzern.

Zurück zum Namen. Ich habe meine englischsprachigen Partner gefragt. Das Urteil aus USA und England ist zwiegespalten: kein Problem bzw. ja, Problem. Bei den Engländern versteht und weiß jeder, dass es um Heimwerken oder Werken allgemein geht. Das Sexuelle bleibt aussen vor. Vermutlich ist der Name über Jahre oder Jahrzehnte gelernt worden und mit dem Richtigen verknüpft worden. Meine amerikanische Partnerin dagegen würde den Namen in dieser Form niemals für den amerikanischen Markt empfehlen. Für sie klingt er arg unterleiblich. Tja, so verschieden sind die Meinungen in der vermeintlich sehr ähnlichen Sprache.

Beim Namen „Postcon“ ist die Lage ähnlich uneindeutig.

Markenname Postcon für einen Postdienstleister

Man mag sich ja noch einig sein, dass es schon flüssigere und ästhetisch ansprechendere Namen gegeben hat. Was jeder individuell versteht, ist erst einmal natürlich Post, also ganz passend für einen deutschen Postdienstleister, im Übrigen eine Tochter der niederländischen post NL. Wofür nun das „con“ steht, ist recht offen. Die Interpretations- und Übersetzungsmöglichkeiten reichen vom Betrug bis zu Anklängen von Messen und Vernetzung. So bleibt (auf Basis meines begrenzten Wissens über das Projekt) für diesen Namen nur das schlichte Fazit: Keine Schönheit, aber wohl ok für das, was er tun soll.

Und das Gesamtfazit? Es ist erstaunlich schwer, genau vorauszusagen, wie ein Name wahrgenommen wird – zumal in einer Vielzahl von Märkten mit vielen Sprachen. Manchmal können allerdings Experten helfen.

 

Galaxy Note 3 – Testnote oder Modell?

Man kennt ja Werbung mit Testurteilen. Am liebsten wird natürlich mit der Note 1 (= sehr gut) geworben. Verständlich. Umso kurioser, wenn man auf Werbung mit der Note 3 trifft, wie beim Galaxy Note 3. Es ist nicht schrecklich dramatisch, aber doch kurios: die Verbindung des englischen „Note“ mit dem Modell oder seiner Version, was im Deutschen Neues schafft:

Galaxy note 3 Name
Plakat von Vodafone mit dem Galaxy Note 3 von Samsung, © Werner Brandl