Ehrliche und witzige Namen im Spiel Die Sims

Mal was Leichtes in schweren Zeiten. Viele Namen und Bezeichnungen in Deutschland sind in englischer Sprache gehalten (oder dem, was Deutsche dafür halten). Das ist bei Spielen an Tablet und Handy natürlich nicht anders. Umso erstaunlicher, welche Namen man in der aktuellen Version des Spiels Die Sims Mobile für die Gegenstände findet.

Die Sims App Titel

Sie sind praktisch durchgängig wirklich deutsch, und bezeichnen das Ding, so dass man weiß, was es ist. Die meisten Namen sind dabei einfach klassisch beschreibend, äußerst klar, ehrlich und unspektakulär. Ein Gemüsemesser heißt dann eben Gemüsemesser. Es gibt aber auch eine Menge erstaunlich witziger Namen: Hyperallergene Hortensien als Pflanzen, das Mobile Kleines Genie und die Mikrowelle Watt Leckeres. So schärft die eigene Begriffswelt das Markenprofil. Hier ein paar mehr Beispiele aus Haushalt und Wohnung, die zeigen, wovon ich spreche und wovon ich beeindruckt war:

  • Verstärker Starke Töne
  • Teppich Einflussbereich
  • Teppich Tolle Tangente
  • Figur First Leutnant Walnuss
  • Kerzen Kiefernkult
  • Geschirregal Geschirrt dir recht
  • Nahrung Glutenfreies, veganes Obst
  • Figur Dubioser, surfender Weihnachtsmann
  • Mülleimer Vom Rat genehmigter Mülleimer
  • Kamin Moderne Wärmequelle
  • Kamin Feudale Feuerstelle
  • Wandlampe Modernes Brummen
  • Deckenlampe Subtile Untertassenlampe
  • Deckenlampe Tolle Idee
  • Stehlampe Ausgefallener Alltag
  • Wandleuchte Ultrakitsch
  • Tischlampe Schattig mag Licht
  • Beauty Tablett Eau du Odor

Screenshot Die Sims Brummen

Und noch die wichtigsten Mitglieder des Fensterangebots:

  • Kleines Fenster Guck guck
  • Grillfenster Mächtig gut
  • Fenster Trübes kleines Fenster
  • Fenster Trübes großes Fenster
  • Fenster Der Hingucker
  • Fenster Mega-Fenster (Doppeldeluxe)
  • Fenster Es werde Licht
  • Fenster Es werde mehr Licht
  • Fenster Wand aus Licht

Da der Rezipient zwar wichtig ist, der Verfasser, seine Motivation und seine Haltung aber auch, fragte ich beim Publisher EA nach, wer diese besonders humorvolle Anpassung an den deutschsprachigen Markt verantwortet und was die Absicht dabei war. Meine Fragen wurden freundlicherweise von Angela Hufschmidt und Nadine Wagner aus dem deutschen Lokalisierungsteam ausführlich beantwortet:

Frage: Woher kommen die Namen für die Gegenstände? Die Namen sind erstaunlich humorvoll, geistreich und auch ironisch. Zum Beispiel Watt Leckeres für eine Mikrowelle, Subtile Untertassenlampe für eine Deckenlampe.
Antwort: Ich versuche zuerst immer, mir einen Eindruck von dem Gegenstand insgesamt zu verschaffen. Ein Bild (falls vorhanden) und der englische Titel/die englische Beschreibung betrachte ich dabei als eine Art „Rahmen“. Eigentlich verfasse ich immer zuerst die Beschreibung, den Titel denke ich mir immer zuletzt als Resümee aus. Dabei versuche ich einfach, etwas Passendes/Lustiges zu finden.

Frage: Sind es Übersetzungen bzw. Lehnbildungen der englischen Begriffe oder werden Neuschöpfungen je nach Land angewendet?
Antwort: Eine 1:1-Übersetzung des englischen Titels ist sehr selten. Entweder orientiere ich mich an dem englischen Titel oder erfinde etwas komplett Neues. Es sind tatsächlich häufig Geistesblitze, die aber auftauchen, nachdem ich alle Infos gesammelt und schon die Beschreibung verfasst habe. „Watt Leckeres“ war in der Tat so ein Geistesblitz.
Eine direkte Übersetzung aus dem Englischen würde voraussetzen, dass die Übersetzung im Deutschen genauso gut funktioniert, wie im Englischen. Das ist eher selten der Fall.

Frage: Ist die auffällige Abkehr vom Englischen eher Zufall oder klare Strategie? Steht eine bestimmte Kommunikationsstrategie, Absicht bei der Namenskonzeption dahinter?
Antwort: Bei dieser Art von Text (Objekte und Objektbeschreibungen) ist die freie Übersetzung klare Strategie, unabhängig von der Sprache. Der Spieler soll unterhalten werden, die Texte bei den Objekten und -beschreibungen sind nicht entscheidend für den Spielverlauf, daher dienen sie der reinen Unterhaltung.
Zufall auf keinen Fall. Es ist sehr häufig so, dass der Humor des englischen Textes in Deutschland gar nicht passt. Häufig wird auch auf Dinge Bezug genommen, die in Deutschland keine Rolle spielen, z.B. auf Feste, die es in Deutschland gar nicht gibt. Daher bleibt oft einfach keine andere Wahl, als den Text komplett umzuschreiben bzw. sich einen anderen Witz auszudenken und eine Beschreibung rund um den Witz zu bauen. Die Namen/Beschreibungen sollten in erster Linie die Stimmung des Spiels wiedergeben, also das, „was Die Sims ausmacht“: Kreativität, Fantasie, eine bestimmte Art von Humor, Vielfalt etc. Es gibt zwar einige Fakten, die nicht verändert werden können, ein Objekt kann z.B. nicht als farbenfroh beschrieben werden, wenn es nur in einer Farbe vorhanden ist, aber ansonsten kommt es eher darauf an, das „Feeling“ von Die Sims zu vermitteln.

Frage: War das schon immer so?
Antwort: Bei Die Sims 1 war das nicht so, das kam nach und nach, ab Die Sims 2. Die Titel/Beschreibungen waren bei Die Sims 1 kürzer und schlichter. Anfangs gab es Objekte wie „Die blaue Tür“, dazu eine Beschreibung von einem, maximal zwei Sätzen.

Frage: Wie ist die Resonanz bei den Nutzern?
Antwort: Wir haben das Gefühl, es kommt gut an.

Frage: Sind eingetragene Marken ein Problem, ein Hindernis für die EA Namen?
Antwort: Ja, durchaus. Wir dürfen keine rechtlich geschützten Markennamen verwenden, also z.B. nicht „Jacuzzi“ schreiben, sondern „Whirlpool“.

Frage: Kommt es oft zu Schwierigkeiten?
Antwort: Nein, sehr selten. Hin und wieder fällt den Übersetzern auf, dass im Englischen ein geschützter Begriff verwendet wurde und das wird dann umgeschrieben.

Vielen herzlichen Dank an die Mitarbeiterinnen im Lokalisierungsteam für die wirklich aufschlussreichen Antworten!!!!

Screenshot Die Sims Watt Leckeres

Und für alle, die Freude an Namen haben, hier sind noch ein paar 😉

  • Außenlaterne Hier entlang
  • Stehlampe Licht hoch drei
  • Stehlampe Licht am Ende der Bohrinsel
  • Pflanzenleiter Schritt für Schritt
  • Figur Stoischer Zwerg
  • Fliese Gepflasterter Weg
  • Deko-Grabstein Fragiler Grabstein
  • Mobile Kleines Genie
  • Töpfchen Schnellmerker
  • Kaffeetisch Gute Gesellschaft
  • Sessel Netter Groove
  • Sofakissen Kissenweide
  • Flurtisch Mein Weg
  • Kaffeetisch Ganz du
  • Beistelltisch Tesseract
  • Kaffeetisch Misto
  • Waschtisch Wasch dich (von Ah so)
  • Toilette Moderne Erleichterung (von Ah so)
  • Handtuch Vom Feinsten
  • Wäschekorb Korbinian
  • Mixer Frisch aufgemischt
  • Mikrowelle Watt Leckeres
  • Esstisch Rückruf
  • Stuhl Sitz mit Stil
  • Stuhl Nichts zu verstecken
  • Kommode Kreatives Chaos
  • Kommode Treppe zur Ordnung
  • Wandspiegel Perfektion in Reflexion
  • Kommode Schlichte schwedische Kommode
  • Festtagsbaum Grüner wird’s nicht
  • Strauch Lied des Lachses
  • Pflanze Funkelnde Funkien
  • Pflanze Hyperallergene Hortensien (MEIN FAVORIT)
  • Säule Solide Betonsäule

 

Instant Messaging App mit Namen Telegram

Telegram Messenger App Logo

Durch die Nachricht vor ein paar Tagen, dass beim Instant Messaging Dienst Telegram – der open source Alternative zur Konzernapp What’s App – 15 Millionen Telefonnummern geklaut bzw. identifiziert worden sind, wurde ich auf den Namen aufmerksam.

Telegram oder Telegramm, das klingt schon sehr old school. Da wird im Projekt wohl ein über 30-jähriger (optimistisch, real wohl eher >40) gesessen haben und diese Analogie gezogen haben. Denn das Telegramm stand ja immer für eine sehr fixe Nachricht, zu damaligen Zeiten war „schnell“ ungefähr das, was heute „sofort“ ist. „Instant Messaging App mit Namen Telegram“ weiterlesen

App KartenRegie: Neuer Name für neuen Service

Große Freude, neues Projekt von mir am Markt: die App KartenRegie der DZ BANK zur Verwendung durch die Volksbanken und Raiffeisenbanken!

Mit der Finanz-App KartenRegie können die Inhaber von Kreditkarten bei Volksbanken und Raiffeisenbanken Ihre Kartenumsätze in Echtzeit verfolgen und haben so die volle Kontrolle über Einnahmen und Ausgaben. Mit der Echtzeitbenachrichtigung sorgt KartenRegie für ein Plus an Sicherheit beim Einsatz der eigenen Kreditkarte. Sollte die Karte missbräuchlich eingesetzt werden, bemerkt man es sofort und kann gleich vor Abbuchung vom Konto reagieren. Die automatische Kategorisierung der Umsätze und ihre Eintragung in ein Kassenbuch geben außerdem einen genauen Überblick über die Ausgaben. So sieht der Name (mit dem Logo nach den Richtlinien der Volksbanken und Raiffeisenbanken) in Aktion im App-Store von Google aus:

Mobile App Symbol der App „Kartenregie“ im Google Play Store
Mobile App Symbol im Google Play Store

Die größten Vorteile der neuen App sind:
1. Transparenz und Kontrolle: Alle Kreditkartenumsätze in Echtzeit im Blick
2. Echtzeitbenachrichtigung bei jedem Kreditkarteneinsatz
3. Sofortige Reaktion vor Abbuchung bei Verdacht auf Missbrauch möglich
4. Kategorisierung der Umsätze und Budgetierung mit Begrenzung der Ausgaben
5. Kompletter Überblick über alle Ausgaben durch Einbezug von Girokonto und Barzahlungen
6. Höchste Sicherheit durch Bank-Sicherheitsstandards

All diese Inhalte galt es bei unserem Projekt in einem leicht verständlichen Namen zusammenzufassen. Da die Mobile App nicht direkt durch die DZ BANK vertrieben wird, sondern über die in ihr organisierten Volksbanken und Raiffeisenbanken, waren die breiten Zielgruppen dieser Bankengruppe maßgeblich für den Namen. Ein englischsprachiger Name passte zu diesen Markenwelten nicht. Die Lösung KartenRegie erwies sich als die einfachste und gleichzeitig treffendste. Zudem waren alle relevanten Domains verfügbar, und auch als Appbezeichnung war der Name verfügbar.

Die Regie übernehmen, alles im Blick haben und jederzeit Einfluss auf das Geschehen nehmen können: dieses Gefühl von Kontrolle und Überblick möchten die Volksbanken Raiffeisenbanken an ihre Kreditkarteninhaber mit der neuen App KartenRegie weitergeben. So war die Entscheidung für diesen beschreibenden Namen nicht schwer: Er vermittelt klar, dass man damit die Kreditkarte und seine Finanzen einfach im Griff hat.

Viel Erfolg!

Und hier noch der Startbildschirm für alle, die keine Kunden der VRB sind und die App nie erleben werden …

Startscreen der Mobile App der DZ Bank „Kartenregie“
Mobile App Startscreen Kartenregie © DZ BANK

Wer noch mehr über die App erfahren möchte, kann sich bei den Volksbanken Raiffeisenbanken informieren. Wer Interesse an anderen Projekten zu deutschsprachigen Namen hat, findet hier mehr zu einigen Versicherungsfeatures der Versicherungskammer, und hier zu einem Titel für eine Zeitschrift. Und hier gehts zur Namensagentur.

 

App Die Blasenhexe – eine übersetzte Bubble Witch

Zur Zeit läuft auf einigen größeren privaten Fernsehsendern Werbung für eine Blasenhexe. Sie fragen sich was das ist? Gut so!

Wenn man erst nur den gesprochenen Begriff hört, denkt man bei Blasenhexe zuerst an ein Wundermedikament, das Blasen an den Füßen entfernt, oder an etwas, das eine Blasenentzündung ruckzuck weghext. Dann sieht man aber, worum es geht – es ist ein Spiel für Facebook und Handy, das eigentlich „Bubble Witch Saga 2“ heißt.

Screenshot der Spiele-App Bubble Witch Saga 2
Titel Bubble Witch Saga 2 © King Digital Entertainment

Es ist schon kurios – da macht sich mal jemand die Mühe und übersetzt einen (noch gar nicht mal wahnsinnig exotischen) englischen Begriff aus der Tech/Entertainment-Welt – und dann bin ich wieder nicht zufrieden. Die Übersetzung ist aber einfach nicht attraktiv. Warum man hier nicht einfach den Originaltitel ließ, der im Werbefilm ja auch auf dem Bildschirm eines exemplarischen Anwendungsgerätes erscheint, ist mir schleierhaft.

Da man nicht nur kritisieren soll, sondern auch konstruktiv unterstützen, hier eine schlichte, aber effektive Alternativlösung zur Vermarktung dieses Casual Games: Man hätte zum Beispiel von der Hexe mit den Seifenblasen sprechen können. Auch Zauberblasen wären eine Option gewesen – einfach und verständlich, dennoch nicht hässlich, und nicht zu lang für den Off-Text. Was bei der Namensfindung wichtig ist, finden Sie auf der Website der Namensagentur.

Hier, wie das Spiel in Aktion aussieht:

Screenshot der Spiele-App Bubble Witch mit vielen bunten Blasen
Screenshot Bubble Witch Saga 2 © King Digital Entertainment

PS: Vielen Dank an Komm.Passion bzw. King Entertainment für das Bildmaterial.

Marke „Stadt, Land, Fluss“ – Exempel und (gescheiterte) Statuierung

Wie zu lesen war, ist „Stadt, Land, Fluss“ zwar eine Marke für Spiele, dennoch kann der Name auch von einem anderen Spieleanbieter verwendet werden. Wie kann das sein? Was sagt das Markenrecht? Der Reihe nach.

Ein App-Entwickler brachte vor einigen Monaten eine App mit dem Namen „Stadt, Land, Fluss“ auf den Markt, also in die online-Stores. Jeder kennt dieses Spiel noch aus der Kindheit, man braucht nur den Kopf, einen Zettel und einen Stift dazu, und natürlich (vor der App) mindestens zwei Spielwillige. Ein Spieleverlag wollte diesem nun untersagen, den Namen für das Spiel zu verwenden, weil er ja die Markenrechte an diesem Namen habe. Also an einem Namen, den jeder kennt und generisch verwendet. Wie kann der überhaupt als Marke geschützt sein und auf dieser Basis anderen dessen Verwendung untersagt werden?

Stadt Land Fluss - Zettel mit Spalten

Vor einigen Jahren brachte der Spieleverlag Schmidt ein solches Spiel als Fertigversion auf den Markt, wo man die Spalten nicht selber ziehen muss und die Kategorien schon eingetragen sind. Das ganze wurde unter dem bekannten Namen „Stadt Land Fluss“ eingeführt. Und jetzt wird es interessant. Für den Namen „Stadt Land Fluss“ beantragte Schmidt eine Marke, die vom deutschen Markenamt auch gewährt wurde. Zu verstehen ist diese Entscheidung nur schwer, denn der eingetragene Begriff ist für solche Spiele ungefähr das, was Fruchtjoghurt für Fruchtjoghurt wäre. Also hochgradig generisch, beschreibend, und freihaltebedürftig. Egal, die Marke wurde eingetragen.

Nun wird es aber noch interessanter, denn der Sinn einer Marke ist ja nicht nur sie zu haben, sondern damit eigene Pfründe zu sichern und verteidigen zu können. Und hier zeigte sich, wieso solche schwachen Marken, selbst wenn sie eingetragen sind, eben keine Wundermittel sind. Das sind sie nämlich nur, so lange der andere (der Angegriffene oder der angeblich Verletzende) Angst hat. Wenn er sich wehrt, kann die Sache ganz anders ausschauen (und ausgehen). Genau das ist hier passiert. Der Appentwickler nahm den Fehdehandschuh auf, ließ sich nicht einschüchtern, und so kam es nun zu der gerichtlichen Entscheidung, dass hier keine Markenverletzung vorliegt. Die Begründung ist einfach: jeder darf den Begriff verwenden um das Spiel damit zu beschreiben, und wenn er ihn nicht als Marke verwendet (hierüber kann man natürlich trefflich streiten, nur am Rande bemerkt).

Die ganze Sache ist sehr lehrreich, zeigt sie doch das sehr limitierte tatsächliche Abwehrpotential solch extrem beschreibender Marken, die dennoch Ziel der Begierde vieler Markenanmelder sind. Die psychologische Abschreckungswirkung solcher Eintragungen mag aber im täglichen Leben durchaus existieren, und sie kann diese manchmal aus taktischen Gründen auch rechtfertigen.

 

PS: Im vorliegenden Fall wäre es sicher auch eine interessante Vorgehensweise gewesen, die Abwehr der Verletzung mit einem Antrag auf Löschung der Marke zu verknüpfen. Ob so etwas richtig und sinnvoll ist, kann aber nur ein spezialisierter Anwalt entscheiden.