Der Namenswahnsinn bei Amazon – ein eigenes Universum

Bei manchen Produktkategorien auf Amazon ist die Namensvielfalt einfach nur erstaunlich. Bei Waschmaschinen fällt das dagegen gar nicht auf. Aber bei abseitigeren Kategorien mit weniger dominanten Marken, da fördert man Kurioses zu Tage. Ich habe die Kategorie der Aquariumbeleuchtung gewählt und mir die 42 Vorschlagsseiten durchgeschaut auf Namen, unter denen die Produkte angeboten werden. Im Shop bei Amazon sieht das so aus:

Aquarium Beleuchtung Angebote auf Amazon

Hier die Sammlung der Namen bzw. der Namen, die dort stehen, wo eigentlich Markennamen stehen. Ganz selten stößt man da zum Beispiel auf „Juwel“ – eine alte deutsche Marke. Aber die überwältigende Mehrheit der Namen ist sehr eigenartig, und besondere Highlights sind (krass subjektiv) gefettet:

NICREW Maxesla Pssopp Decdeal
UEETEC Kapokilly UISEBRT Wakects
Hygger Landum Lilideni Smandy
DOCEAN Froadp Sunsbell EBTOOLS
Relassy Fdit LINGJUN SunSun
Mingdak Uonlytech SimpleLife SPEED
BELLALICHT IREENUO OOTOO lahomie
Kuty Yunrux Zerone SOULONG
Tingkam YAOBLUESEA JOYHILL No. 17
Lumini YAOBIUESEA everfarel LEDMOMO
HENGMEI Sunsbell Hffheer Garosa
happygirr koulate Weehey Cocoarm
COLOR TREE UKCOCO GOTOTOP Ejoyous
LONDAFISH Somedays Gwolf Zoternen
POPETPOP Filfeel Riuty Aeromdale

Sind das nun Namen oder Marken, oder was ist das?
Die vielen verschiedenen Namen werden verwendet, um immer wieder gleiche Produkte unterscheidbar zu machen. Sie kommen von den Händlern, die jeweils ihr GESAMTES Sortiment unter diesen Bezeichnungen anbieten. So formen sie eine einheitliche Markierung, eine Wiedererkennbarkeit, ja letztlich so etwas wie eine Marke im Amazon-Universum. Mit dem Händlernamen hat der Sortimentsname meist gar nichts zu tun. Und das Kernkriterium für die Namen ist offensichtlich eins: Einsigartigkeit. Dagegen fallen andere Kriterien ab:

  • Die Schreibung – eher egal.
  • Die Länge – nicht so wichtig.
  • Die Bedeutung – was ist das?

Noch ein paar Worte zu dieser Namens- und Marketingstrategie auf Amazon. Durch die Individualisierung kann der Händler einen Produkteintrag vornehmen, der quasi ihm gehört. Kein anderer Anbieter hat logischerweise das Produkt mit dem gleichen Fantasienamen im Angebot. Bei klassischen Markenartikeln auf Amazon ist es ja so, dass ein Produkteintrag existiert und sich dann mehrere bis viele Anbieter mit ihren Offerten um die Pole Position beim Verkauf mit günstigen Preisen überbieten. Diese Konkurrenz schalten OOTOO, Weehey etc. aus. Allerdings um einen Preis: Bei so vielen identischen Artikeln, wie soll Amazon da den richtigen finden? Deshalb ist es folgerichtig, dass entsprechende Kosten für Werbeeinblendungen anfallen, damit wieder eine Reihenfolge der Angebote entstehen kann bzw. die Angebote überhaupt angezeigt werden. Was wieder stark an den ursprünglichen Eintrag zu einem einzelnen Markenprodukt mit vielen Anbietern erinnert. Hier schließt sich der Kreis.

Offen bleibt, ob die Anbieter sich diese Namen selbst ausdenken oder ob sie von Amazon als Service vergeben werden. Vielleicht wohnen wir der Naming-Software von Amazon beim Werkeln bei? Wenn die Namen allerdings ein Ergebnis von KI sind, dann möchte ich auf den Fortschritt noch eine Weile verzichten 😉

Zu guter Letzt noch eine wesentliche Frage: Was passiert, wenn ein anderer Verkäufer die „Amazon-Marke“ verwendet? Denn zumindest in der EU oder Deutschland sind die Namen nicht offiziell als Marken eingetragen. Gibt es ein Amazon-Markenamt, das solche Vergehen ahndet oder schlichtet? Wie mir ein Amazonkenner verriet, gibt es bei Amazon tatsächlich eine eigene Namensregistrierung, genau wie man dort auch seine eingetragenen Marken melden kann. Und diese Stelle ist dann zuständig. Hat was von einem Staat im Staat.

Wer noch etwas beitragen kann, gern! In den Kommentaren ist ganz viel Platz.

 

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