Skater & Rollerfahrer: Was heißt ABEC?

Jeder, der schon mal mit Inline-Skates oder anderen kugelgelagerten Sportgeräten wie Skateboards oder Rollern in Kontakt gekommen ist, kennt den Begriff ABEC. Meist wird er verwendet im Stil von „mit ABEC [Ziffer] Kugellager“ und klingt so, als wäre das eine echt tolle, hochwertige und vor allem besondere Ingredient Brand. Ich wollte es genauer wissen: Wie toll ist ABEC? Braucht der Skater eine hohe oder eine niedrige Zahl? Genau – was bedeutet es eigentlich?

Mein erster Schritt ist Wikipedia. Wie fast zu vermuten war, ist ABEC ein Akronym, das für äußerst profane Begriffe steht: Annular Bearing Engineering Committee, ein Ausschuss der Vereinigung der amerikanischen Kugel- und Wälzlagerhersteller (ich wusste gar nicht, dass es da so viele gibt). ABEC 1 bis ABEC 9 ist also eine Skala von Klassen für Fertigungstoleranzen. Diese Inhalte und die stufenweise Aufteilung gibt es auch als ISO-Normen, doch in der Werbung für Konsumenten hat sich offensichtlich ABEC gegen ISO durchgesetzt.

Lustig an der ABEC Skala ist, dass sie sich eben nur auf Fertigungstoleranzen bezieht. Wie gut oder langlebig oder hochwertig ein Kugellager ist, darüber sagt die ABEC-Ziffer, deren es fünfe gibt, nichts aus. Der Ordnung halber seien sie hier noch einmal klar erwähnt:

ABEC Klassen 1-9 als Ingredient Brand

Nicht selbsterklärend, aber nachvollziehbar: Je niedriger die Ziffer, desto größer die Toleranz. Somit korrespondieren die höheren Ziffern mit teilweise objektiver, teilweise gefühlter Qualitätszunahme 😉 Denn wie gut ein Kugellager gefertigt ist, z.B. sein Material, und auch seine Lebensdauer, über all das sagt ABEC einfach gar nichts aus.

Letztlich gibt es kein Kugellager am Markt, das nicht irgendwie in eine der Klassen hineinfällt. So ist über die Zeit eine erstaunlich prominente Ingredient Brand entstanden, die bemerkenswert wenig über Qualitäten aussagt. Respekt. Vibram mit seinen Schuhsohlen und Intel mit Intel Inside für Prozessoren haben da schon mehr Aufwand treiben müssen, um als essentielle Zutatenmarken in vielen Produkten verschiedenster Hersteller wahrgenommen zu werden.

Was man noch anmerken sollte: Das ABEC-Modell funktioniert nur in den kleinen Märkten für kleine Rollen und leichte Räder. Kein Kugellagerhersteller der Welt würde es schaffen, seine Marke als Ingredient Brand bei einem Autohersteller unterzubringen. Bei einem kleineren Typus Fahrzeug – den E-Bikes – ist es aber gegenwärtig noch möglich, unter anderem, weil eben keine extrem starken Herstellermarken wie im Automotive-Bereich existieren. Hier gibt es deutlich beworbene Ingredient Brands, von Bosch über Shimano bis Panasonic. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

 

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