Pi-hsien Chen: Mitteilungen vom unteilbaren Werk

Der Name „Mitteilungen vom unteilbaren Werk“ steht für eine Sammlung von sechs CDs, die bei Telos Music erschienen sind. Kuratorin, Künstlerin und Interpretin in einem ist Pi-hsien Chen. Rätselhaft wirkt dieser Titel – das zweimal vorkommende Element „teil“ trägt dazu bei, die klangliche Analogie zu „von unschätzbarem Wert“ ebenso. Vor allem aber wirkt seine spontane inhaltliche Unzugänglichkeit. „Pi-hsien Chen: Mitteilungen vom unteilbaren Werk“ weiterlesen

Innovative Smartphone-Marken? Von Uhans und Gretel

Schon mal von Gretel, Uhans oder Umi gehört? Nur auf den ersten Blick ist der Smartphone-Markt aufgeteilt zwischen Apple und Samsung. Es gibt viele Dutzend  Smartphone-Marken, von denen Sie als Normalverbraucher vielleicht noch nie gehört haben. Vergessen Sie alte Pioniere wie HTC oder Motorola. Werfen wir einen Blick auf den Markt und die erstaunliche Namensgebung – „Innovative Smartphone-Marken? Von Uhans und Gretel“ weiterlesen

Täuschung trotz Nüchternheit: Irreführender Wein bei Netto

Selten kann man die Absichten und Folgen der Namenswahl so schön erkennen wie bei Grenzgängen und Verletzungen. Bestes Beispiel ist ein Wein, der diese Woche bei Netto im Angebot ist: ein Grosses Gewächs zu 9,99 Euro. Für die Nichtweinafficionados, das ist so als bekäme man einen Champagner für 6,99 Euro, also eigenartig billig.

Kenner werden stutzen – wie geht das, ein GG zu diesem Preis? „Täuschung trotz Nüchternheit: Irreführender Wein bei Netto“ weiterlesen

Unter falscher Flagge: neue Titel für alte Filme

Was macht man, wenn sich etwas nicht verkauft? Klassischerweise könnte man das Produkt einstellen. Oder ändern und verbessern. Es gibt aber Märkte, da macht eine Umbenennung viel mehr Sinn. Nicht Supermärkte klassischer Art, aber so ähnlich: Medienmärkte.

Auf das Phänomen gestoßen bin ich letzten Herbst, als ich nach Filmen mit Alexandra Maria Lara suchte. Statt in imdb zu suchen, „Unter falscher Flagge: neue Titel für alte Filme“ weiterlesen

Birkenzucker – Wie ehrlich muss ein Name sein?

Gerade bei Lebensmitteln immer ein spannendes Thema ist die kreative Namensgebung für mehr Attraktivität. Manchmal könnte man es auch Irreführung nennen. Aufmerksame Leser erinnern sich an die hier vorgestellten Feldnüsse. Weil wir aber gerade beim Thema „kreative Gedankenlenkung“ sind. Haben Sie schon mal von Birkenzucker gehört? „Birkenzucker – Wie ehrlich muss ein Name sein?“ weiterlesen

Analogien im Namen? Vegetarische Wurst / veganer Käse

Ehrlichkeit ist wichtig. Viele schreiben sich diese auf die Fahne. Doch wie ehrlich müssen Namen sein?

Jeder aufmerksame Beobachter des Tagesgeschehens hat sicher mitbekommen, dass es eine gerichtliche Entscheidung gab zum großen Komplex vegetarischer oder veganer Produkte, die tierhaltige imitieren. Es lag natürlich nahe, diese einfach mit „vegetarische Lyoner“ oder „veganer Mozzarella“ zu bezeichnen. Dass die Produkte manchmal weder in Textur noch in Geschmack mit dem Original zu verwechseln waren ist wieder eine andere Sache. Zur Besänftigung des Landwirtschaftsministers (der übrigens nicht nur die Tierhalter vertritt) hat es aber leider nicht beigetragen.

Worum ging es überhaupt bei dem Streit? Details kann man zum Beispiel hier nachlesen, aber in aller Kürze: Es galt zu entscheiden, ob Begriffe wie Wurst und Käse bei Produkten ohne Fleisch und ohne Milch irreführend sind – weil der Verbraucher ein Produkt mit anderen Inhaltsstoffen erhält, als er erwartet. Also statt totem Tier nur verarbeitetes Soja oder statt echter Kuhmilch nur eine milchige Flüssigkeit auf Basis von Wasser und Hafer.

Das oberste Gericht, der EuGH, hat entschieden, dass die Ohneprodukte natürlich verkauft werden können. Dann aber ohne die etablierten Bezeichnungen der Mitprodukte zu verwenden. Über den Sinn des Urteils (und natürlich den Hintergrund der Klage), die Rolle der Kokosmilch und des Fruchtfleisches kann man lange diskutieren und lamentieren. Darum geht es mir aber gar nicht. Für mich entscheidend sind folgende Punkte:

Dies ist die Chance für alle kopierten Leberkäse, Schnitzel und Leberwürste ein eigenes Leben zu beginnen – unter eigenen Namen. Nicht mehr abhängig vom Fleisch. Und egal wie man zum Urteil und seiner globalen Sinnhaftigkeit stehen mag. Der Gedanke, dass ein Veganer keinen Käse mehr essen muss und ein Vegetarier keinen Leberkäse mehr, irgendwie ist das doch auch schön. Das Rennen um die besten neuen Kategorien und Bezeichnungen ist eröffnet! Alte Zöpfe ab, neue Namen rein.

Man kann die Sache aber auch anders lösen, durchaus kreativ, auf jeden Fall aber sehr pragmatisch und einfach. So wie Heirler das gemacht hat:

Heirler vegane Wurst „wie Lyoner“
© Heirler Cenovis GmbH

 

 

Nachhaltigkeit und ethische Namen – in Maximalform

Nachhaltigkeit und Ethik. Zwei große Worte. So oft auf den Schild geschrieben, so selten verwirklicht.

Wenn man diese Werte in einem Namen ausdrücken will oder diese Inhalte in einen Namen packen will, dann kann man natürlich (die mehr oder weniger eleganten) „Ethi-“ und „Susta-“ Namen machen. Oder man nimmt Dinge, die damit im Zusammenhang stehen, z.B. bedeutungstragende Farben wie grün und blau und den Planeten Erde.

Ein Hersteller aus den USA ist für seine Schokolade noch einen Schritt weiter gegangen. Da geht es im Namen nicht um Fairtrade oder Öko oder sonst was:

Endangered Species Schokolade: Ethikbranding Endangered Species Schokolade: Ethikbranding  Endangered Species Schokolade: Ethikbranding

Hier geht es gleicht ums große Ganze, um die Ausrottung der Arten. Und so werden die Schokoladen unter dem Label „Endangered Species“ vertrieben. Tja, so kann man das auch machen. Viel mehr geht dann nicht mehr. Was soll da noch kommen?

Mögen die Net Profits den abgebildeten Tieren helfen. Mich erinnert dieses Branding ein wenig an eine Anzeige aus den 90ern. Damals hieß es: „Bestellen Sie unseren Katalog oder wir erschießen diesen Hund“. Oder so ähnlich. Und noch ein (durchaus umstrittener) Spruch darf hier natürlich nicht fehlen: „Der Zweck heiligt die Mittel.“